Spanier bringen Katholizismus nach Niederwenigern

Niederwenigern war zunächst evangelisch geprägt. Im Jahre 1618 wird der Wechsel angeordnet - und später auch mit Waffengewalt verteidigt.

Hattingen..  Die Mauritiuskirche ist Niederwenigerns Mittelpunkt, ihr Standort ist des Stadtteils Ursprung. „Dom“ nennen die Wennischen ihr für ein Dorf recht imposantes Gotteshaus mitten im Zentrum vielsagend – im Jahre 1861 wurde es eingeweiht. Als Nachfolgebau eben jener Kirche, der Niederwenigern gut siebenhundert Jahre zuvor die erste urkundliche Erwähnung verdankt.

Papst Eugen III. bestätigte der Benediktinerabtei Deutz am 17. Juni 1147 ihre umfangreichen Besitzungen in einer Bulle – unter anderem an der dem heiligen Märtyrer Mauritius geweihten Kirche in „Winigen“, Niederwenigern.

Von der Predigtkammer zum Betsaal

Zwar weist Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß darauf hin, dass manche Historiker jene Urkunde für eine Fälschung halten. Er betont aber auch, dass der mittelalterlichen St.-Mauritius-Kirche, deren genaues Alter unbekannt ist, anno 1147 schon „eine größere Bedeutung zugesprochen“ worden sei. Wurde sie in jener Bulle doch nicht als kleinere „capella“, sondern als „ecclesia“ bezeichnet – als Pfarrkirche, deren Kirchspiel sich seinerzeit bis nach Altendorf, Bifang, Dahlhausen, Dumberg, Kupferdreh und Linden erstreckte. Gleichwohl bezeichnet Stadtarchivar Weiß ihren Standort als „erstaunlich“, wo doch in Niederwenigern damals höchstens ein paar Handvoll Menschen lebten.

Erstaunlich erscheint es auch, dass Niederwenigern ganz im Gegensatz zum mehrheitlich evangelisch geprägten Hattingen bis in die heutige Zeit stark katholisch geprägt ist. Die Grundlage hierfür legten der spanische Commissarius Don Johann Sassato und Drost Johann von Dellwig anno 1618: Damals befahlen sie der Kirchengemeinde in Niederwenigern, die römisch-katholische Religion auszuüben. Als nur wenige Jahrzehnte später Drost Johann Georg von Syberg auf Befehl der protestantischen Landesregierung die evangelisch-lutherische Gemeinde massiv dabei unterstützte, in der eigentlich den Katholiken gehörenden Mauritiuskirche ebenfalls ihre Gottesdienste abzuhalten, begehrten die Katholiken auf. Sie besetzten mit Waffengewalt Kirche samt Turm.

Zwar wurde ihr Aufstand seitens des Drosten erfolgreich mit Hilfe der Amtsschützen beendet, letztlich indes war der Kampf der Katholiken um ihre Kirche doch von Erfolg gekrönt: St. Mauritius blieb in ihrem alleinigen Besitz, die Lutheraner errichteten im Pfarrhaus „zum Poth“ zunächst eine Predigtkammer, später einen Betsaal. Erst im Jahre 1751 entstand in Niederwenigern die erste evangelische Kirche, die Einweihung der heutigen fand 1875 statt.

Geburtsort von Nikolaus Groß

Vierzehn Jahre stand der Dom da bereits. Mit einem über vierzig Meter hohen Turm, der als einziger Bauteil von der alten, 1859 abgerissenen Kirche erhalten blieb. Für den Kirchenneubau hatte die katholische Gemeinde Niederwenigern seinerzeit Friedrich Freiherr von Schmidt gewinnen können – einen der namhaftesten Architekten jener Jahre, der auch das Wiener Rathaus konzipierte und Dombaumeister von St. Stephanus in Wien wurde. Neben Reliquien des Namenspatrons Mauritius lagern im Dom, so Stadtarchivar Weiß, dabei solche der Windeln Jesu, die Rektor Conrad Büse im Jahre 1885 nach Niederwenigern gebracht haben soll.

Und sonst? Sollte in einer sicher stark verknappten Geschichte über Niederwenigerns Geschichte gleichwohl auch der zweifellos bedeutendste Bürger Niederwenigerns nicht unerwähnt bleiben: der 1898 geborene und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtete katholische NS-Widerstandskämpfer Nikolaus Groß. An ihn, den Papst Johannes Paul II. im Jahre 2001 selig sprach, erinnert in seinem Heimatort heute ein Museum – direkt neben dem Dom.