Sorgenvoller Blick auf Griechenland

Thomas Espey
Thomas Espey
Foto: WAZ FotoPool
Die Griechen in Deutschland stehen in Kontakt mit ihren Familien in ihrem Heimatland. Vor allem die Menschen in den Großstädten sind betroffen.

Hattingen..  Am Wochenende hat die griechische Regierung Notfallmaßnahmen beschlossen. Die Banken bleiben bis zum 6. Juli geschlossen und die Griechen können bis dahin nur maximal 60 Euro am Tag abheben. Belas Panagiotis vom Restaurant „Takis“ blickt mit Sorge in sein Heimatland: „Ich lebe schon lange hier in Deutschland und bin von der Krise nicht betroffen, aber Teile meiner Familie leben noch in Griechenland und für alle dort ist es sehr traurig, was passiert.“

Panagiotis Verwandte wohnen in einem kleinen Dorf auf dem Land und sind zu großen Teilen Selbstversorger. „Meine Familie hat schon immer Hühner gezüchtet, Oliven angebaut und Schafskäse selbst gemacht. Für die ist es kein Problem, dass sie nur 60 Euro am Tag zur Verfügung haben“, sagt der Restaurantinhaber. Seiner Meinung nach wird es für die Menschen in den Großstädten schwer.

Auch in den Reisebüros in Hattingen merken die Mitarbeiter Veränderungen. „Schon 2014 haben bei mir immer weniger Leute einen Griechenland-Urlaub gebucht“, weiß Inhaber Thomas Espey. „Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht oder wollen lieber in Länder fahren, wo sie günstiger Urlaub machen können. Denn die Preise sind in Griechenland nicht gesunken.“

Seit Jahren nur noch Stillstand

Beate Nikolai vom Reisebüro „Derpart“ hat morgens eine besorgte Familie im Laden gehabt, die diese Woche nach Griechenland fliegen will. „Ich kann verstehen, dass die Leute verunsichert sind, ob es schwer ist, einen Mietwagen zu bekommen, Benzin zu bezahlen oder gar an einem Automaten kein Geld mehr zu bekommen.“ Eine ihrer Kolleginnen ist vergangene Woche aus Griechenland zurückgekommen und hatte keine Probleme oder Einschränkungen. Sie hat eine Mitteilung des Auswärtigen Amtes für die Reisebüros ausgedruckt. Darin steht, dass die Geldschranke für Touristen nicht gilt, man sich aber trotzdem nicht auf Barzahlungen verlassen und auch eine Kreditkarte mitnehmen sollte. So sieht das auch Thomas Alexander vom Marketing der Volksbank. Er rät dazu, mehr Bargeld als sonst mitzunehmen.

Stefanos Katsios ist Inhaber des Wirtshauses „Zur alten Krone“ und meint, dass die griechischen Politiker schon vor vielen Jahren den Fehler gemacht hätten, keine klare Linie zu verfolgen. „Seit Jahren gab es nur Stillstand im Finanzsystem und so schnell kriegen sie keine Bewegung in die richtige Richtung hinein.“

Auch Panagiotis sieht das Problem in der Politik: „Uns könnte nur noch die Rückkehr der Drachme und die Wahl eines neuen Präsidenten helfen. Der jetzige hat für die Griechen gekämpft, allerdings zu spät.“

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