Sorge um deutsche Geiseln

Werner Krüsmann erkannte einen der in der Ukraine entführten Beobachter als ehemaligen Schüler.
Werner Krüsmann erkannte einen der in der Ukraine entführten Beobachter als ehemaligen Schüler.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Werner Krüsmann erkannte unter den in der Ukraine entführtenOSZE-Beobachtern einen ehemaligen Holthauser Schüler wieder

Hattingen..  Eine böse Überraschung erlebte Werner Krüsmann in diesem Jahr an seinem Geburtstag. Denn als er die Zeitung am 29. April aufschlug, blickte dem ehemaligen Lehrer am Gymnasium Holthausen einer seiner Schüler aus vergangenen Tagen entgegen. „Der Martin“ war einer der in der Ukraine festgehaltenen OSZE-Beobachter.

Gerade war Werner Krüsmann mit seiner Frau auf einer Tour mit einem Wohnmobil durch die Vereinigten Staaten von Amerika gewesen. „Dort hatten wir Verwandte meiner Frau gesucht und gefunden“, schwärmt der 67-Jährige. Gemeinsam mit ihnen entdeckten die Krüsmanns das Grab eines 1848 geborenen Vorfahren – Jakob Bührle. Der war mit dem Dampfer Germania 1864 in die USA ausgewandert und dort 1886 gestorben.

Es gibt nicht viele, die das machen

„Aber schon während der Reise habe ich gesagt: Ich kann mir vorstellen, dass Martin unter den Geiseln ist“, wird Krüsmann ernst. „Es gibt nicht so viele, die das machen, was er tut“, erklärt er. Denn Martin sei Simultandolmetscher für Russisch. Er arbeite beim Zentrum für Verifikationsaufgaben in Geilenkirchen. Dort hatte Krüsmann seinen ehemaligen Schüler vor Jahren mit Hattinger Gymnasiasten besucht.

Die Bestätigung war für Werner Krüsmann dennoch ein Schock. Im Flugzeug, auf dem Rückflug aus den USA, sah er das Foto aus der Ukraine in der Zeitung – und Martin. „Er wirkte sehr bedrückt und niedergeschlagen“, erinnert sich der 67-Jährige und ergänzt: „Aber Martin ist auch kein Strahlemann, er wirkt immer nachdenklich.“ Ein zurückhaltender, ruhiger Typ sei der Hattinger, „Man konnte sich absolut auf ihn verlassen. Er hat sich nicht nach vorne gedrängt. Er ist keiner, der an die Öffentlichkeit geht. Und er war in der Schule top, sehr sprachbegabt.“

Auch nach der Schulzeit habe man Kontakt gehalten, sich über die Mitgliedschaft im Kulturklub des Gymnasiums Holthausen auch privat gut gekannt. „Auch meine Tochter kannte den Martin. Er war ja auch mal bei uns zu Hause.“

Bei seinem Besuch mit Schülern 2005 in Geilenkirchen hatte der ehemalige Lehrer Martin zuletzt gesehen.. Damals hatte der erzählt, wie kurzfristig er zu Einsätzen gerufen werde. „Heute kommt der Anruf, morgen geht es los“, erinnert sich Krüsmann. Und die Aufgabe der Abteilung der Bundeswehr? „Wir zählen Panzerwagen und Kanonen für die OSZE.“ „Martin war Major, aber immer in zivil. Er trug auch nie eine Waffe, obwohl er eine hat“, sagt der Lehrer.

Er wird ganz abgeschirmt

Die Nachrichten aus der Ukraine verfolgte Werner Krüsmann dann auch besonders intensiv. „Wir waren ja nicht sicher, ob die Leute den Geiseln etwas antun.“ Umso größer war die Erleichterung, als die Gruppe endlich freigelassen wurde. Versuche von Werner Krüsmann, erneut Kontakt zu seinem ehemaligen Schüler aufzunehmen, scheiterten bisher. „Er wird ganz abgeschirmt.“