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Sonne, Sand und Salz

07.05.2009 | 15:53 Uhr

Erst Unterricht, dann Urlaub: Nicola Hedwig aus Niederwenigern reist mit dem Rucksack durch Bolivien und Chile.

Meine eineinhalb monatige Rucksackreise durch Südamerika startete in Quito. Abenteuer pur: Auf den 80 Kilometern Weg dorthin gab es über 50 Erdrutsche, wegen der heftigen Regenzeit. Mein Reise-Plan: von Nordbolivien gen Süden nach Argentinien, Buenos Aires.

In Bolivien, La Paz, auf 4500 Metern, musste ich mich wie in jeder neuen Stadt erstmal orientieren, Kontakte knüpfen, eine Stadtkarte besorgen, ein Hostel finden und mich mit der neuen Währung zurecht finden. Dann ging es nördlich in Richtung „Lago Titicaca“: Titicaca See. Einer der größten Seen der Welt, zwischen Peru und Bolivien. Ich übernachtete auf der Sonneninsel – und habe noch nie so sehr gefroren.

Karneval im Gefängnis

Der Sonnenuntergang war etwas ganz Besonderes: zur einen Seite Peru und auf der anderen die wunderschönen, hohen und schneebedeckten Berge Boliviens. Für umgerechnet 1,50 Euro die Nacht kann sich niemand über die Inselpreise beschweren. Weiter ging es immer südlich. Mit Zwischenstopp in La Paz, wo ich mir ein Gefängnis angeschaut habe. 1500 Mörder und Schwerverbrecher feierten Karneval, boten uns Kokain und Haschisch aus ihrer gefängnisinternen und gleichzeitig größten Drogenproduktion des Landes an.

Über Nacht ging es in die „weiße Stadt“ Sucre, die Hauptstadt Boliviens, wo ebenfalls alle Karneval feierten. Sehr intensiv und ganz anders, als wir es aus Deutschland kennen. Mit Tanz, landestypischen Kostümen, Wasserbomben und Wasserpistolen. Manchmal landen plötzlich ganze Eimer Wasser vom Balkon auf der Straße und man ist klitschnass. Oder man bekommt eine Ladung Rasierschaum ins Gesicht. Dies passiert vor allem einer „Gringa“ (Weißen).

Mit Stirnlampe durch die Silber-Mine

Ich habe ich mich in Sucre treiben lassen, bevor ich nach Potosí reiste. In die höchstgelegene Stadt der Welt, die berühmt für ihre Silber-Minen ist. Unter Tage beeindruckten mich die engen Wege, durch die ich mit meiner Stirnlampe kroch. Die Luft war ganz staubig, die Arbeits-Umstände beängstigend. Daher ist es eine Tradition, dass Besucher den Arbeitern, darunter auch Kinder, etwas vom „Minenmarkt“ mitbringen: Zigaretten, Alkohol oder Süßigkeiten.

Größte Salzwüste

Über Nacht fuhr ich in einem schrecklich alten und vor allem engen Bus über eine Holperstrecke nach Uyuni, wo ich eine drei-Tages-Tour in der „Salar de Uyuni“ gemacht habe. Die größte Salzwüste der Welt. Mit sechs Leuten starteten wir im Jeep zum Lokomotivfriedhof, anschließend ging es in ein Dorf, das von der nationalen Salzproduktion lebt. Die Salzwüste ist völlig weiß. Die Tage vorher hatte es geregnet und der Himmel spiegelte sich, so dass man ihn vom Boden nicht unterscheiden konnte.

Sandboarden in den Sanddünen

Wir sahen auch bunte Lagunen mit rosa Pelikanen, schneebedeckte Vulkane, schwefelnde Geysire im Morgengrauen oder ein Sonnenaufgang im natürlichen Thermalbad mit Blick auf die chilenischen Anden. Mitten in der Wüste, an der Grenze zwischen Bolivien und Chile, ist eine Mitreisende mit mir geblieben. Wir sind weiter in die Wüste von Atacames gefahren, die wegen der Mondlandschaften sehr bekannt ist. Im chilenischen San Pedro de Atacames wimmelte es vor Touristen. Mit Mountainbikes radelten wir in das „Mondtal“ (Valle de la luna). Durch die stehende Hitze mit Blick auf die schneebedeckten Vulkane der Anden auf bolivianischer Seite. Beim Sandboarden hatten wir die riesig großen Sanddünen für uns. Leider gibt es in der Wüste keinen Lift. Nach jeder Abfahrt ging es die Düne wieder hoch: zu Fuß.

Auf nach Argentinien

Meine Rucksackreise durch Südamerika führte mich auch nach Argentinien. Nach den Tagen in Chile ging es durch einen Andenpass in das Land, auf das ich mich so sehr gefreut habe. Leckeres Fleisch, schöne Landschaften, der argentinische Akzent – und schöne Männer.

Im Nordwesten des Landes, in Salta, habe ich mir kleine Dörfer angeschaut, bevor ich ins Drei-Länder-Eck Brasilien, Paraguay und Argentinien reiste – eine der schönsten Ecken des Kontinentes. Höhepunkt sind die „Cataratas de Iguazú“: die Wasserfälle von Iguazú. Zuerst habe ich mir diese von der brasilianischen Seite angeschaut, näher dran kam ich aus Argentinien. Hunderte atemberaubende Wasserfälle rauschen teilweise mit unglaublicher Wucht über 80 Meter in die Tiefe. Ich fühlte mich wie im Paradies. Mit einem Motorboot fuhren wir unter die kleineren Fälle.

Überfall in Buenos Aires

Von Puerto Iguazú aus ging es nach Buenos Aires, die Hauptstadt, Szenestadt Südamerikas und gleichzeitig auch Weltstadt. Dort war ich auf der Avenida Florida ausgiebig einkaufen. Die Stadt ist kriminell und wirklich gefährlich. Auch ich hatte das Pech. An einem sonnigen Nachmittag, auf voller Straße unter vielen Menschen griff mir auf einmal eine Hand aus der Menschenmasse an den Hals, um meine Kette und meine gut behütete Handtasche samt Kamera zu entreißen. Aber ich habe sofort sehr laut geschrien. Sekundenschnell bildete sich ein Menschenkreis um mich. Der Jugendliche ist verschwunden. Glück gehabt!

25 Kilo Fleisch

In Buenos Aires habe ich eine Einladung zum echten argentinischen „Asado“ bekommen: einem Grillabend, mit vielen Argentiniern und noch mehr leckerem Fleisch (23 Leute, 25 Kilo Fleisch). Also bin ich bald weiter in die Region „La Pampa“, wo ich ein entspanntes Wochenende bei Einheimischen verbrachte.

Jeder kam mit eigenem Messer zum Fleischessen. Mein Kartoffel- und grüner Salat hat keinen interessiert – bei dem Fleischsortiment. Zu Abend gegessen wird dort übrigens immer erst ab 23 Uhr und später, dementsprechend geht man auch erst um 3 Uhr nachts in die Disco und man verschläft den nächsten Tag.

Zweite Heimat

Von Santa Rosa in der Pampa ging es zurück über den Badeort Argentiniens „Mar del Plata“ und die Studentenstadt „La Plata“ nach Buenos Aires, um die Stadt zu besichtigen. Ich besuchte das bunte Stadtviertel „La Boca“, spazierte durch den Hafen und über die „9 de Julio“. Wirklich eine atemberaubende, hektische und sehr europäische Stadt. Das erste Mal seit acht Monaten habe ich dort mal wieder richtig schön geshoppt, Brot mit Butter gegessen und mich nicht als weiße, deutsche Ausländerin gefühlt, was an den europäischen Einwanderern lag. Jetzt unterrichte ich wieder in der Schule Englisch, Sport und Computer in Ecuador – meiner zweiten Heimat.

Nicola Hedwig

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