Solidarität holt Verein aus Finanztief

Wäre jeden Tag Weihnachten, täte sich Hattingen solidarisch leichter – hier Daniela Lindgraf und Bernd Loewe auf dem Weihnachtsmarkt.Foto: Archiv,Speckenwirth
Wäre jeden Tag Weihnachten, täte sich Hattingen solidarisch leichter – hier Daniela Lindgraf und Bernd Loewe auf dem Weihnachtsmarkt.Foto: Archiv,Speckenwirth
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
„Hattingen solidarisch“ bewilligte 2014 insgesamt 66 Anträge, gab 16 000 Euro aus. Merlin, Seniorenzeithilfe und Sponsoren halfen. Lage dennoch angespannt.

Hattingen..  In 66 Fällen bewilligte „Hattingen solidarisch“ im Vorjahr Unterstützung. Ausgegeben hat der Verein 16 611 Euro. Erstaunliche Zahlen angesichts der Tatsache, dass noch vor einem halben Jahr Ebbe in der Kasse war. Das Steuer herumgerissen haben Vorsitzender Bernd Loewe und seine Mannschaft, die Kurs auf die Linderung von Armut hält, durch die Solidarität und finanzielle Hilfe vieler Sponsoren und der beiden Vereine Merlin und Seniorenzeithilfe. Die beiden finanziell besser gestellten Vereine sprangen ein, wenn es um Kinder oder alte Menschen ging.

Die Solidarität mit den Menschen, die finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen können, war immer ungebrochen. Doch im August 2014 sah es noch so aus, als ob „Hattingen solidarisch“ zwar nicht mit warmen Worten und tatkräftigem Einsatz von Ehrenamtlichen geizen muss, aber mit allem, was Geld kostet. Der Verein, der seit 2010 insgesamt 35 000 Euro zusammengetragen hatte und inzwischen bei 40 000 Euro angelangt ist, war finanziell selbst am Ende, konnte keine Rücklagen mehr bilden. Damals lagen mit 40 Anträgen auf Sachleistungen doppelt so viele wie im Jahr zuvor vor. Für das ganze Jahr 2014 wurden 66 bewilligt.

Keinen Zuschlag bekam eine Mutter, die für kieferorthopädische Maßnahmen bei der 16-jährigen Tochter eine Vollnarkose wünschte, was 600 Euro gekostet hätte. „Das sprengt unseren Rahmen“, sagt Bernd Loewe, Vorsitzender von „Hattingen solidarisch“. Da es außerdem keine Kassenleistung sei, „passt das nicht“ seiner Ansicht nach, wenn der Verein dafür aufgekommen wäre.

Bernd Loewe freut sich sehr über die vielen Spenden, ob es spontane 1000 Euro von der HWG waren, 2500 Euro von der Offenen Gartenpforte, jeweils 2000 Euro über drei Jahre von den Lions aus der Adventskalender-Aktion oder die finanzielle Unterstützung anderer Sponsoren. Es ändert jedoch nichts daran, dass „Hattingen solidarisch“ wie die Menschen, denen geholfen wird, von der Hand in den Mund lebt. „Das Bild passt“, so Loewe. Es gebe viele Anfragen von Caritas, Diakonie, Sprungbrett, der Jugendhilfe Phönix und anderen, die Menschen kennen, denen geholfen werden muss. So gilt es jetzt zum Beispiel eine junge Frau und ihr Baby zu unterstützen, „die bei null anfängt“.

26 Mitglieder hat „Hattingen solidarisch“. Davon eines, das 500 Euro Jahresbeitrag zahlt. Doch nicht nur zahlende, sondern auch helfende Hände sind hochwillkommen. Mitglieder und Unterstützer, die auf Menschen zugehen können, denen geholfen werden muss. Die sich mit ihnen auseinandersetzen und gemeinsam nach Lösungen für Probleme suchen.