Senioren verteidigen sich mit Stock und Köpfchen

Angreifer auf Abstand halten: Das lernen Senioren in einem Workshop.Foto:Archiv, Matthias Graben
Angreifer auf Abstand halten: Das lernen Senioren in einem Workshop.Foto:Archiv, Matthias Graben
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Jeder dritte Bürger ist 60 Jahre und älter. Im Workshop lernen sie Selbstverteidigungstechniken auch mit der Gehhilfe. Polizei hält Tipps für hilfreich, auch wenn es im Vorjahr nur einen klassischen Überfall gab.

Hattingen..  „Erwarten Sie den Angriff, kontrollieren sie den Gegner, nutzen Sie Ihre Chancen“: Selbstverteidigung für Menschen ab 60 Jahren bietet das Seniorenbüro der Stadt an. Jeder dritte Bürger in Hattingen gehört zum Adressatenkreis und ist 60 Jahre oder älter. Selbstbewusst auftreten, Gefahren einschätzen können: Das hält auch die Polizei für wichtig und hilfreich. Trägt es doch dazu bei, nicht zum Opfer einer Straftat zu werden. Die Wahrscheinlichkeit ist vor Ort allerdings sehr gering.

Im Ernstfall richtig reagieren

„Den klassischen Raub gab es im Vorjahr nur in einem Fall“, sagt Polizeisprecher Dietmar Trust. Zumindest, wenn es um „Säm“ geht, Straftaten gegenüber älteren Menschen. Dem 78 Jahre alten Opfer war ein Beutel gestohlen worden. Solche Raubdelikte in der Öffentlichkeit sind laut Polizei selten. Doch fallen alte Menschen auch den sehr viel häufigeren Trickdiebstählen zum Opfer, so Dietmar Trust. „Wichtig ist, dass sie sicher auftreten, nicht zum Opfer werden, wissen, wie sie mit ihren Wertsachen umgehen, die Handtasche richtig tragen.“ Tipps für Senioren seien sehr hilfreich.

16 555 Hattingerinnen und Hattinger waren am 31. Dezember 2013 mindestens 60 Jahre alt, so Susanne Wegemann aus dem Pressebüro der Stadt. An sie richtet sich ein Kursangebot ab 25. April an zehn Samstagen in Oberstüter. Martin Schmalenberg, Selbstverteidigungs-Experte und Kampfsportlehrer, stellt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern „einfache, aber effektive Selbstverteidigungstechniken aus unterschiedlichen Kampfsportarten“ vor.

Abends mit Taschenlampe

Bösewichte, die demnächst auf Menschen mit einem Gehstock treffen, sollten nicht automatisch davon ausgehen, dass diese wackelig auf den Beinen und leichtes Opfer für einen Überfall sind. Kann sein, sie haben bei der Selbstverteidigung mit Stock und Köpfchen gelernt, sich mit dem Gehhilfsmittel erfolgreich zu wehren. Gabriele Bärthel hat vor fünf Jahren ein ähnliches Angebot des Seniorenbüros genutzt. „Ich bin abends oft unterwegs“, sagt die Übungsleiterin, die an fünf Tagen die Woche rausgeht und nicht zu den besonders ängstlichen Menschen zählt. In eine knifflige Situation ist die 72-Jährige „Gott sei Dank nie gekommen“. Bekommen hat sie aber „einige hilfreiche Tipps“. So ist sie abends immer mit Taschenlampe unterwegs, hat den Hausschlüssel griffbereit und muss nicht an der Tür erst lange in der Tasche kramen. Außerdem hat sie Selbstverteidigungstaktiken gelernt. Das können auch Untrainierte jetzt im Workshop des Seniorenbüros. Sie lernen, im Ernstfall richtig zu reagieren.

Wichtig sei auch, so die Polizei, sich nicht zu überschätzen und die Situation richtig einzuschätzen.