Seiteneinsteiger ersetzen Lehrer

Hendrik Leibold unterrichtet als Quereinsteiger am Berufskolleg Hattingen im Bereich Technik.
Hendrik Leibold unterrichtet als Quereinsteiger am Berufskolleg Hattingen im Bereich Technik.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Berufskolleg gibt es im Bereich Technik schon seit Jahren keine studierten Pädagogen mehr. Bewerber sind zunehmend schwer zu finden.

Hattingen..  „Seit Jahren habe ich im Bereich Technik keine studierten Lehrer mehr einstellen können, sondern nur Seiteneinsteiger“, sagt Holger Hoffmann, Leiter des Berufskollegs in Hattingen. Auch im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen sind nur noch etwa 50 Prozent der Lehrkräfte studierte Berufsschullehrer. Ohne die Möglichkeit des Quereinstiegs gingen der Berufsschule schnell die Lehrer aus. Und auch Seiteneinsteiger zu finden, ist in einigen Bereichen schwierig.

Seiteneinsteiger haben ein Studium in ihrem Fachbereich absolviert, oft schon in der Industrie gearbeitet und sich dann dafür entschieden, am Berufskolleg zu unterrichten. Einer von ihnen ist Hendrik Leibold. Der Wirtschaftsingenieur und promovierte Maschinenbauer entschied sich vor fünf Jahren für eine Stelle als Berufsschullehrer. „Dabei wollte ich erst gar kein Lehrer werden, denn meine Eltern waren auch Lehrer“, lacht der 35-Jährige. Seine Arbeit an der Universität, an der er viel mit Lehramtsstudenten zu tun hatte, weckte aber doch den Spaß an der Lehre.

„An sich kann man von jetzt auf gleich Lehrer werden“, sagt Leibold. Bedingung ist allerdings ein zweijähriges Referendariat an der Berufsschule. Darin bekommen die Quereinsteiger eine pädagogische Ausbildung – während sie parallel bereits voll arbeiten, erklärt Leibold. „Es ist ein Stoß ins kalte Wasser und geht von Null auf Hundert.“ Heute versteht sich Leibold selbst als zu zwei Dritteln Techniker und zu einem Drittel Pädagoge. Bereut habe er den Schritt nie.

Das Berufsbild Berufsschullehrer sei oftmals nicht die erste Idee, weiß der 35-Jährige. Auch deshalb fehlen in einigen Bereichen die Lehrer. Während es in der Wirtschaft noch ausschließlich studierte Lehrkräfte gebe, müsse er in der Technik längst ganz ohne studierte Lehrer auskommen, sagt Holger Hoffmann. Und auch die Bewerbungen der Seiteneinsteiger werden weniger: „In der Maschinentechnik gibt es noch Bewerber, im Kfz-Bereich aber kaum noch“, betont Hendrik Leibold. Hier sei das Hattinger Berufskolleg in der glücklichen Lage, vor einem Jahr einen Kollegen gewonnen zu haben. „Bei anderen sieht das ganz anders aus.“

Aus der Not werde im Berufskolleg aber auch eine Tugend: „Natürlich wäre es schön, wenn wir studierte Lehrer in der Technik hätten, aber die Seiteneinsteiger sind sehr kompetente Persönlichkeiten, die ihre Erfahrungen aus dem Berufsleben an die Schüler weitergeben können“, betont Hoffmann. Hendrik Leibold ergänzt, Seiteneinsteiger würden wertvolle Kontakte in Firmen vermitteln und so bei der Ausbildungssuche helfen.