„Seepferdchen? Das heißt nichts!”
12.02.2010 | 18:04 Uhr 2010-02-12T18:04:00+0100
Schulschwimmen: Wer sich nicht sicher im Wasser bewegt, kann nicht mitmachen.
Schwimmen ist Sport und als solcher auch Teil des Schul-Unterrichts – oder: zumindest sollte es so sein. Denn an vielen Hattinger Schulen klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.
„Die Situation ist alles andere als gut”, sagt Lars Schmoll vom Gymnasium Waldstraße: „Wir haben nur ein Hallenbad und alle Schulen streben da hinein.” Doch nicht nur die kurzen Wasserzeiten für jede Klasse, auch die fehlende Fähigkeiten der Schüler sind ein Problem: „Die haben vielleicht alle ihr Seepferdchen, aber das heißt überhaupt nichts”, meint Katrin Ulfers von der Hauptschule Hattingen: „Viele hangeln sich am Beckenrand entlang, da ist keine Sicherheit.” Außerdem gilt: „Nichtschwimmer dürfen aus versicherungstechnischen Gründen nicht ins Wasser und müssen am Beckenrand sitzen”, sagt Marcus Lubienski von der Realschule Grünstraße, an der lediglich die fünfte und sechste Klasse Schwimmunterricht haben. Gleiches gilt auch für die Hauptschule.
Dabei habe die Zahl der Nichtschwimmer stark zugenommen. Um die Defizite abzubauen kann Lubienski aber keinen getrennten Unterricht anbieten: „Ich bin im Schwimmunterricht allein in der Halle.” Es sei auch bei sicheren Schwimmern schon gefährlich genug. Erst kürzlich musste er einen Schüler vor dem Ertrinken retten. Lubienski will „nichts dramatisieren”, aber die Frage, ob ein Schwimmlehrer schon mit einem Bein im Knast stehe, beantwortet er nüchtern: „Das ist natürlich so.”
Die Hauptschule schickt deshalb gleich mehrere Lehrer mit den Schülern zum Schwimmen: „Die Verantwortung ist zu groß”, sagt die stellvertretende Schulleiterin Barbara Bickert-Brennecken. „Weniger als drei Kollegen kann ich nicht verantworten. Das mache ich nicht.”
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