Schüler stellen Kirschkernkissen her

Nähen Kissen und befüllen sie (von links): Mira Kirschstein (16), Janine Pörschke (17) und Kophin Satgunarajah (18) aus der 11. Klasse.Foto:Volker Speckenwirth
Nähen Kissen und befüllen sie (von links): Mira Kirschstein (16), Janine Pörschke (17) und Kophin Satgunarajah (18) aus der 11. Klasse.Foto:Volker Speckenwirth
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Was wir bereits wissen
Junior-Unternehmen des Gymnasiums Waldstraße setzt auf individuelle Teile und berücksichtigt ökologische Aspekte.

Hattingen..  Knack, knack, knack: Wer die Produktionshalle der Firma Inökki im Keller des Gebäudes betritt, bei dem kracht und knackt es unter den Schuhsohlen. Beim Verlassen des Raumes pulen sich Besucher Kirschkerne aus dem Profil von festem Schuhwerk. Nein, nein, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich nicht im Kerneweitspucken geübt, nachdem sie massenweise Obst vertilgt haben. Und dass sie 33 Cent in der Stunde verdienen – meilenweit entfernt vom gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn – ist auch kein Grund, nach der Gewerkschaft oder einem Anwalt zu rufen. Denn hier ist eine Schülerfirma am Werk.

Die muss in ihre Berechnungen auch einen Stundenlohn einfließen lassen. Der Name steht nicht für ein finnisches oder schwedisches Unternehmen, sondern für individuelle ökologische Kissen (Inökki). Diese stellt die Juniorfirma des Gymnasiums Waldstraße derzeit her. Ein achtköpfiges Team – darunter drei junge Männer – beteiligt sich am Projektkurs Sozialwissenschaften, um zu erfahren, wie es ist, ihre eigene Firma aufzubauen und gemeinsam zu führen.

Was Kissen für männliche Jugendliche interessant macht? Das Nähen nicht unbedingt. Kophin Satgunarajah interessiert sich mehr für die betriebswirtschaftliche Seite des Ganzen. Außerdem wird das Produkt von den Beteiligten erst entwickelt, nachdem sie sich für die Teilnahme an der Schülerfirma entschieden haben. In der Diskussion war auch eine Pinnwand. Den Zuschlag bekamen dann jedoch Kissen, die entweder mit Styroporkugeln nach Öko-Tex-Standard gefüllt werden oder mit den besagten Kirschkernen.

Beim Stoff kann der Käufer auf den Fundus der Schüler zurückgreifen, den diese in ihrem Umfeld zusammengetragen oder bekommen haben, oder selbst einen mitbringen und daraus ein persönliches Kissen mit Erinnerungswert fertigen lassen. Etwa aus dem ersten Pyjama des Kindes.

Packt der Erwachsene sich das umgewandelte Teil dann, in der Mikrowelle oder dem Backofen erwärmt, bei Bauchweh auf den Leib, denkt er vielleicht daran, wie er dem Sprössling in jungen Jahren Bauchschmerzen wegmassiert hat.

Eine Kissengröße wie 40 mal 40 Zentimeter ist hier nicht geläufig. Es werden zwar unterschiedliche Größen gefertigt vom Mini- bis zum Kissen in Kreuzform, das man sich um die Schulter legen kann mit einem Extra-Strang, der den Rücken wärmt. Der Preis geht jedoch nach dem Inhalt und wird in Kilo gewogen (bei Kirschkernen) oder nach Litern abgefüllt. Aus einem ehemaligen Vorhang werden jedenfalls reichlich Kissen entstehen, die verkauft werden – wie auch Aktien von zehn Euro.