Schnadegang mit Einkehr

Los geht’s – immer an der Grenze lang beim Schnadegang.
Los geht’s – immer an der Grenze lang beim Schnadegang.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
50 Wanderlustige laufen die erste Etappe entlang der Stadtgrenze ab.Sie erfahren dabei Wissenswertes über die Tradition. Fortsetzung folgt

Mit rund 50 Wanderlustigen startete der Hattinger Schnadegang am gestrigen Sonntag in seine zweite Runde.

Am Treffpunkt vor dem Bügeleisenhaus informierten Vertreter der beiden Veranstalter – Heimatverein und Sauerländischer Gebirgsverein – über die altwestfälische Tradition und den Streckenverlauf. „Im 17. und 18. Jahrhundert vergewisserte man sich regelmäßig, dass die Grenzen der Stadt nicht verschoben wurden und sich die Nachbarstädte nicht heimlich etwas von dem eigenen Gebiet einverleibt hatten“, erzählt Lars Friedrich als Vorsitzender des Heimatvereins.

Volksfeste entstanden

Vielerorts entstanden aus dieser Tradition des Ablaufens der Gemeindegrenzen große Volksfeste mit mehreren tausend Besuchern. Das Wort „Schnade“ ist Niederdeutsch und bedeutet soviel wie „Grenze“.

Ausgestattet mit Wanderschuhen und Stöcken machte sich die gut gelaunte Truppe in gemütlichem Tempo auf ihren Weg an der Ruhr entlang nach Niederwenigern. Dort kehrten sie auch in Gaststätten ein.

Trotz des frühlingshaften Wetters starteten in diesem Jahr verglichen mit dem Vorjahr weniger als halb so viele Wanderer. „2014 bin ich zwei Etappen mitgelaufen“, erzählt Eva Rausch, Mitglied des Gebirgsvereins. Auch Familien mit Kindern seien damals mitgelaufen. „Ich kann mir denken, dass die Veranstaltung mit den Jahren ihren Reiz verliert, nicht jeder möchte noch einmal mitlaufen, wenn er doch schon alle Etappen erfolgreich absolviert hat“, so Rausch. Wenn die Wanderung mit ein paar Überraschungen oder einem jugendfreundlichen Programm ausgestattet wäre, könnte man bestimmt auch mehr Kinder und Jugendliche für die Tour begeistern, meint die erfahrene Wanderin. Bei Schnadegängen in anderen Städten stießen Neuheiten wie die Verknüpfung mit einer Schnitzeljagd oder mit Geocaching bereits auf gute Publikums-Resonanz.

Ursula Starke und Ulrike Düsterloh haben sich vorgenommen, wenn es ihre Zeit zulässt, die ganze insgesamt 62 Kilometer lange Strecke rund um Hattingen mitzulaufen. „Wir gehen fast jedes Wochenende in der traumhaften Umgebung wandern“, betont Starke. Von der Geschichte, die hinter der Wanderung steckt, hätten sie aus der Zeitung erfahren. „Es ist schön, dass so eine alte Tradition wieder ausgegraben und aufgenommen wurde.“ Heimatforscher Harri Petras hatte zum ersten Schnadegang 2014 recherchiert, dass 1806 letztmalig ein Hattinger Schnadegang Erwähnung fand.