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Schluss mit Beobachten

31.07.2009 | 17:45 Uhr

Nachdem der „Observer” erneut beschädigt wurde, hat sich Künstler Thomas Klegin entschlossen, seine Installation abzubauen.

Hattingen sollte für Thomas Klegin ein Neuanfang werden. Im Februar war das Atelier des Künstlers aus Schwerte ausgebrannt, 20 Jahre seines Wirkens waren von einem Moment auf den anderen zerstört worden. Der „Observer”, der auf der Ruhr in der Nähe des Landhauses Grum die Blicke auf sich ziehen sollte, war seine erste große Arbeit danach. Er hat viel Herzblut investiert, Ideen, sogar eigenes Geld. Doch nachdem seine Installation jetzt zum dritten Mal zerstört wurde, entschloss sich Klegin dazu, sie abzubauen.

„Es steht nur noch ein Stuhl, da macht reparieren keinen Sinn mehr”, erklärte er am Freitag. Alleine hat er daraufhin mit der Demontage begonnen, am Samstag kommt Unterstützung.

Der „Observer” (Beobachter) war Mitte Mai aufgestellt worden – eine Installation, die aus vier Schiedsrichter-Hochstühlen in Rot und Weiß besteht. Sie schwamm auf der Ruhr, die Hochsitze waren so bearbeitet worden, dass niemand hinaufklettern konnte. Bis Ende September sollte das Kunstwerk schwimmen, sollte die Aufmerksamkeit auf den alten Gahlenschen Kohlenweg lenken. Dazu gab es auch noch eine Kunstflug-Aktion, bei der ein Kondensstreifen den Weg nachzeichnete.

Bereits nach einer Woche wurde der „Observer” zum ersten Mal zerstört. Zwei der fünf Schwimmbälle wurden beschädigt, Stangen verbogen. Thomas Klegin überlegte bereits, sein Werk abzubauen, machte sich dann aber doch daran, es zu reparieren. Anfang Juli die zweite Sachbeschädigung: Ein kompletter Hochstuhl wurde samt Aufbau abgerissen. Klegin stellte bei der Polizei Strafanzeige und machte sich erneut die Mühe, den „Observer” aufzubauen.

Jetzt die dritte Attacke – und der Künstler hat genug: „Die Hattinger neigen offensichtlich zum Vandalismus. Na ja, vielleicht nicht die Hattinger generell, vielleicht ist es ein Problem dieser Zeit”, sagt er. „Die Menschen sind kulturell desinteressiert.”

Er mache Kunst für die Gesellschaft, betreibe viel Aufwand, „aber so etwas ist mir noch nicht passiert”. Klegin führt ein Beispiel aus seiner Heimatstadt Schwerte an: „Seit dem Jahr 1998 steht dort eine große Arbeit von mir mit Kristall-Spiegeln – es wäre leicht, diese einzuwerfen, doch dort passiert nichts. Wieso ausgerechnet der ,Observer' zur Zielscheibe wurde, weiß ich auch nicht.”

Auch die Reaktionen in unserem Internet-Portal DerWesten.de überraschten den 48-jährigen Kunst-Professor: „Zum einen, weil überhaupt so viele reagiert haben, andererseits aber auch, weil sie so heftig gegen den ,Observer' waren.”

Den Kunstverein, der die Aktion vor Ort begleitet hat, informierte Thomas Klegin am Freitagmittag über seinen Entschluss, die Installation wieder abzubauen.

Mittel von der Bezirksregierung

Auf etwa 8000 Euro Materialkosten beziffert der Künstler Thomas Klegin den Wert seines „Observers”, die Arbeitsstunden nicht eingerechnet. Einen Teil hat er selbst getragen, einen weiteren Teil gab es als Fördermittel von der Bezirksregierung in Arnsberg, die den Gahlenschen Kohlenweg mit Blick auf die Kulturhauptstadt 2010 bekannt machen möchte. Der Gahlensche Kohlenweg ist der ehemalige Kohletransportweg, der durch Kunst-Aktionen wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden soll.

Michael Brandhoff

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Kommentare
03.08.2009
17:44
Schluss mit Beobachten
von Wahlfisch | #13

HattingenMichel. Da hast Du ja tolle Vergleiche ausgepackt: Sondermüll mit Heavy Metal, Beethoven mit Natur, meine hohe Nase gegen Deine handfeste, solide Naturverbundenheit, die zudem noch im Verborgenen blüht. Und dann schiebst Du das Totschlagargument hinterher: „Plastik inne Ruhr“. Das finde ich komisch. Du redest mit Begriffen wie „Restmüll und Schund“ das „Ding“ zu Schrott, willst aber nicht als Kaputtredner bezeichnet werden. Du lässt die Idee des Künstlers nicht an Dich ran, willst aber als feingeistiger, naturliebender Hattinger anerkannt werden. Der wahre Hattinger ist ein Ruhrpottler, offen für Fremdes und tolerant für Neues.

03.08.2009
08:46
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von Joaaar | #12

Ich stimme derdirk vollkommen zu. Allerdings muss es ja nicht mal Sachbeschädigung gewesen sein. Bei den Stürmen im der letzten Zeit und der Wakeligen Konstruktion ist es kein Wunder, dass das Kunstwerk zerstört ist...

03.08.2009
07:48
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von derdirk | #11

Ich finde es interessant zu lesen das alle glauben das die Zerstörung nur um des zerstören willens von Kunsthassern passierte. Herr Klegin ist kein Hattinger und hatte wohl auch keinen Hattinger herangezogen als es um die wahl seines Aufstellungsortes ging. Dieser Ort war von jeher beliebter Treffpunkt von Jugendlichen welche dort schwimmen und auch feiern. Da ist es nicht verwunderlich das jemand versucht auf nen Hochsitz mitten in der Ruhr zu klettern wen er doch schon da steht. Das dieser nicht solide genug gebaut war, schade drum. Und bevor irgendjemand jetzt noch anfängt auf die Jugend zu schimpfen, für den hätte ich nur noch Mitleid und den Rat nach Bad Soundso zu ziehen wo er seine Rentnerruhe hat ;-)

03.08.2009
02:52
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von michi | #10

Meiner Meinung nach hat jeder das Recht ein Kunstwerk zu bewerten und zu kritisieren. Der Künstler würde sich kaum persönlich beleidigt fühlen, wenn jemand sein Kunstwerk kritisiert. Allerdings geht es in diesem Artikel um Sachbeschädigung, dies ist sowieso schon ein Verbrechen, aber in diesem Fall ist dazu noch respektlos dem Künstler gegenüber und es motiviert nicht gerade andere Künstler!!

03.08.2009
01:45
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von MikeHattingen | #9

Naja, Agressionen liegen hier offensichtlich auf Seiten der Kunstliebhaber...und die Toleranz die sie fordern lassen Sie anderen Meinungen auch sehr offensichtlich nicht zukommen. Sie sind Verlogen und Selbstverherrlichend, sehen sich als über den anderen stehend, die ja alles nur kaputtmachen und kaputtreden. Damit stellen Sie sich ein Armutszeugnis aus.
@ Wahlfisch: Denken Sie wirklich dass dieses Ding an den Kohlenweg erinnert? Denken Sie das DAS die Geschichte des Ruhrgebiets verkörpert? Mit Ihrer scheinbar sehr hoch getragenen Nase kann ich verstehen, dass Ihnen so ein eingeredetes Kunstwerk gefällt. Aber es hat soviel mit unserem Ruhrgebiet und all seiner Schönheit (auch im verborgenen) zu tun, wie ein Trash-Heavy-Metal Konzert mit Ludwig van Beethoven... .

01.08.2009
18:00
Schluss mit Beobachten
von Wahlfisch | #8

Diesen Triumph gönn ich Euch Kulturbanausenfraktion nicht. Die in diesem Hattingen-Blog massiv und unverschämt auftretenden SpießerMike, Feuermotorrad & Co mit ihren intoleranten Einschätzungen a la „Schmeiße ich Bierdosen in die Ruhr, sag’ das ist Kunst“ haben leider wieder ein Opfer gefunden. In einer neuen Dimension. Die anderen Kunstwerke werden ja „nur“ zerkratzt, besprüht oder angepinkelt. Jetzt werden sie gleich ganz kaputt gemacht.

Hattinger Michel, Du kannst Dich nicht rausreden, dass Du gegen Zerstörung bist. Du gehörst zu den ständigen Halali-Bläsern gegen alle künstlerischen Farb-, Gefühls- und Denktupfer in dieser Stadt.

Der Künstler Thomas Klegin hat mit seiner Installation an den Gahlenschen Kohlenweg erinnert und damit die Geschichte des Ruhrgebiets. Damit habt Ihr nix zu tun. Eure intolerante Haltung zu den Stadttoren beweist ja ständig, dass Ihr weder für die Hattinger noch die Revier-Geschichte einen Sinn habt. Stattdessen gefallt Ihr Euch in der Rolle der geistigen Zerstörer. Mit diesem merkwürdigen, dumpfen, aggressiven Kunsthass seid Ihr die schreibenden Vorreiter. Danach kommen leider ein paar Besoffene oder Doofe, die zu wirklichen Kaputtmachern werden. Die denken dann, sie haben Euch im Hintergrund als Stimmungskanonen. Leider stimmt das, wie die Äußerung von HattingenMichel belegt.

01.08.2009
11:28
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von Kasten | #7

Kunst wird nie allen gefallen, sonst ist es keine Kunst.

Schade, dass so viele Menschen in der heutigen Zeit meinen, nur ihre eigenen Interessen oder ihr eigener Geschmack sei relevant.
Und wieder einmal zeigt sich: Nicht die Mehrheit, sondern die lauteste, pöbelnste oder gewaltbereiteste Minderheit diktiert das Leben in der heutigen Gesellschaft.

01.08.2009
10:48
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von Line Marsa | #6

Mein lieber MikeHattingen, ich habe schon richtig gelesen. Es ist mir keineswegs entgangen, dass Sie BEHAUPTEN Verständnis für Kunst zu haben. Aber das kann man Ihnen beim besten Willen nicht abnehmen. Ihr KunstVERSTÄNDNIS definiert sich eindeutig folgendermaßen: Alles, was von MikeHattingen nicht zur Kunst erklärt wird, das ist halt keine.

31.07.2009
23:47
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von Jotka | #5

Ich kann MikeHattingen nur voll und ganz Recht geben!

Zum Glück gibt es wohl doch noch denkende menschen !!!

31.07.2009
19:37
Schluss mit Beobachten
von MikeHattingen | #4

Meine lieben Nachschreiber, Sie haben nicht richtig gelesen: Ich habe Verständnis für Kunst, auch Sinn dafür, aber nicht alles ist Kunst, was man irgendwo hinstellt und was dazudichtet...Sie scheinen mir beide diesen Unterschied nicht machen zu können. Ein Künstler könnte Ihnen, so scheint es, einen beliebigen gelben Sack auf die Wiese schütten (oder schlimmer noch in die Ruhr), Ihnen eine Bedeutung dazu erklären, dem einen Pseudo-Sinn geben und schon verteidigen Sie es als Kunst. Nein, ich denke Sie sollten Ihre Gesinnung überdenken. Überigens heiße ich die Zerstörung nicht gut, keineswegs. Es war nur eine Kritik an diesem Objekt. Toleranz im Überigen habe ich auch: Wenn dieser Herr sich das Gerät auf seinen Teich setzt, bitte, aber nicht auf die Ruhr, die uns nunmal allen gehört....da darf ich Kritik üben, das ist mein gutes Recht und keineswegs unappetitlich...

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