Schicksal der Verfolgten
20.01.2009 | 18:18 Uhr 2009-01-20T18:18:00+0100
Hattingen. Der Künstler Michael Görler und seine Bildhauereiklasse der Volkshochschule haben sich mit Biografien von Sinti und Roma auseinander gesetzt, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Ausstellung im Rathaus
Nur noch wenige Farbstriche, der letzte Feinschliff. Dann wird Heinz Ackermann seine Holzskulptur vollendet haben. Immerhin ist es die erste, die er mit seinen eigenen Händen geschaffen hat. "Seit Oktober arbeite ich daran", sagt er. Viel weniger Zeit haben auch die anderen zwölf Kursteilnehmer aus der Bildhauereiklasse der Volkshochschule nicht benötigt. Entsprechend beachtlich ist das Ergebnis: 14 eindrucksvolle, zweieinhalb Meter hohe Reliefs aus Kiefernholz.
"Sinti und Roma" heißt das Thema, mit dem sich der Künstler Michael Görler und sein VHS-Kurs in den vergangenen Monaten auseinander gesetzt haben. Nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret: Im Mittelpunkt standen 14 Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.
Gefunden hat Michael Görler die kurzen Biografien in einem Buch, das der Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, herausgegeben hat. Der Titel: "Den Rauch hatten wir täglich vor Augen." Vor Augen hatte auch Heinz Ackermann das Schicksal von Elisabeth Rosenberg, während er an seiner Skulptur arbeitete. Die Mutter von sieben Kindern wurde ins Konzentrationslager Berlin-Marzahn deportiert und dort ermordet - zusammen mit drei ihrer Kinder.
"Ich habe viele ehemalige KZ besucht"
Schon lange bevor Ackermann sich dem VHS-Kurs anschloss, hatte er sich mit der Verfolgung im Dritten Reich auseinander gesetzt. "Ich habe viele ehemalige KZ besucht", erzählt er. "Deshalb brauchte ich für dieses Thema keine große Vorbereitung."
Dass sich auch die anderen Hobby-Bildhauer mit den Biografien ihrer Skulptur-Vorlagen intensiv auseinander gesetzt haben, merkt man den Arbeiten an. Man blickt in bedrückte, suchende, oft auch leidvolle Gesichter. Nur selten stehen die Figuren aufrecht. Viele sind gebeugt, einige knien, andere liegen. Hände und Füße sind übergroß dargestellt.
Michael Görler betont jedoch: "Wir wollten nicht den Gräuel darstellen." Vielmehr ging es darum, die Sinti und Roma als stolze, faszinierende, individuelle Menschen zu zeigen. Und natürlich verbindet er mit diesem Projekt auch eine politische Botschaft. Die Hoffnung auf eine freie, gerechte, vorurteilsfreie Welt ist es, die Michael Görler besonders am Herzen liegt. Denn er weiß: "Noch immer wird den Nachkommen der Ermordeten mit Vorurteilen begegnet."
Schon häufiger setzte sich Michael Görler in der Vergangenheit mit der Verfolgung von Minderheiten auseinander. "Wir wollen nicht nur schöne Bildchen malen. Davon bin ich weg", betont der Künstler. So ging es in einem Projekt etwa um die "Angst und Hoffnung deportierter Juden".
Und aktuell arbeitet er mit seiner Malereiklasse der VHS an einem riesigen Gemälde, das das Frauenorchester aus dem Vernichtungslager Auschwitz zeigt.
0mitdiskutieren