Ruf nach angemessener Bezahlung

Iris Neumann-Jägers (rechts) und Kollegin Michaele Kordges.
Iris Neumann-Jägers (rechts) und Kollegin Michaele Kordges.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Tagesmütter Iris Neumann-Jägers und Michaele Kordges betreuen je fünf Kinder als Beruf, der Anerkennung und entsprechende Vergütung verdiene

Iris Neumann-Jägers geht voraus ins Untergeschoss des Wohnhauses ihrer Familie in Holthausen. „Mein Arbeitsbereich“, sagt die 50-Jährige. Früher arbeitete die Kinderkrankenschwester in der Klinik, heute ist sie Tagesmutter. Wie Michaele Kordges aus Niederwenigern, deren Arbeitsplatz ebenfalls im eigenen Zuhause liegt. Jede der beiden Tagesmütter betreut fünf Kinder unter drei Jahren.

„Das ist mein Beruf“, sagt Iris Neumann-Jägers, die noch einen Teenager zu Hause wohnen hat. Die älteren Kinder sind ausgezogen, studieren. Von ihrem Beruf möchte die Tagesmutter leben können, Geld verdienen, Unkosten gedeckt bekommen. Sie und ihre Kollegin wollen „nichts fordern, der Gesellschaft aber klar machen, was wir leisten und wie wichtig neben angemessener Bezahlung auch Anerkennung ist.“ Schließlich sind Tagesmütter „die ersten Bezugspersonen nach den Eltern“.

Die Bezahlung hat die Politik gerade um 60 Cent auf 4,80 Euro angehoben. Der Stundensatz pro Kind soll ab Januar gezahlt werden, ab 2016 dann bei 5,50 Euro liegen. Die Aufgabe von Tagesmüttern beschreibt die Stadtverwaltung so: Die Kindertagespflege gem. § 22 SGB VIII (Sozialgesetzbuch / Kinder- und Jugendhilfe) ist der Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen rechtlich gleichgestellt. Dies bedeutet, dass die Anforderungen an den Bildungsauftrag in der Tagespflege im gleichen Umfang wie in der institutionalisierten Betreuung einer Kindertageseinrichtung bestehen.

Im Souterrain hängen kleine Jacken an bunten Hakenleisten. Ein Zimmer ist mit Spielsachen ausgestattet, es gibt einen Tisch und Ministühle – wie in einer Kita. Im anderen stehen fünf kleine Gitterbetten an der Wand. In Elisas Bett nimmt Spielgefährte Kurt Haltung an fürs Foto. Von den Zimmern aus geht es direkt in den Garten.

Die Wände sind geschmückt mit vielen Kinderbildern. In einem Hängeregal baumeln Pampers, die auch das Müllvolumen vergrößern und die Kosten steigern. Ein Verbandskasten steht bereit -- mit Pflaster für aufgeschürfte Knie. Im Flur mit Kalendern, Ferien- und Urlaubsdaten bekommen Besucher eine Ahnung davon, dass Tagesmütter nicht nur Kinder lieben und sie gern betreuen, sondern auch viel organisieren müssen. „Da hängen sechs Familien dran“, so die Tagesmütter.

Die Zeit von 7 bis 15 Uhr gehört bei Iris Neumann-Jägers den Kindern. Vieles muss zusätzlich mit den Eltern besprochen werden, es gibt Fortbildungen, der Einkauf will erledigt werden, es gilt aufzuräumen und zu putzen, wenn die Tageskinder zu Hause sind. Wechseln Kinder mitten im Jahr zur Kita, tragen sie das Risiko.