Rollstuhlfahrerin bittet um Verständnis

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Was wir bereits wissen
Ursula Schimon aus Welper muss bei Hindernissen auf dem Gehweg auf die Straße ausweichen.

Hattingen..  Wenn Ursula Schimon mit ihrem Rollstuhl unterwegs ist, stößt sie auf dem Gehweg oft auf Hindernisse. Die Welperanerin muss auf dem Weg in den Ortskern durch die Bogenstraße und ist dabei gezwungen, öfter auf die Fahrbahn auszuweichen. Was immer wieder auf Unverständnis bei Autofahrern stößt.

Die Rentnerin benutzt die Bogenstraße für den Weg zum Einkaufen, zur Frauenhilfe oder zum Paul-Gerhardt-Haus. Dabei muss sie bereits am Fritz-Ebert-Ring, wo sie wohnt, zum ersten Mal den Bürgersteig verlassen, weil dort durch Bäume Gehwegplatten hochgedrückt werden. „Wir haben einen schönen Baumbestand, aber leider stellt er für mich ein Problem dar“, bedauert Ursula Schimon. Das gilt auch für die Gehwege selbst, wenn sie nicht abgesenkt sind. „Vor zwei Jahren hat sie Stadt für mich sogar vier Stellen abgesenkt. Das fand ich sehr nett, die Bemühungen waren da“, freut sich die Rollstuhlfahrerin.

Sie möchte nicht darüber klagen, dass zu wenig für Rollstuhlfahrer getan wird. Sondern einfach nur das Verständnis der Autofahrer, wenn sie selbst auf die Fahrbahn ausweichen muss. Ihr Rollstuhl, der einen elektrischen Antrieb besitzt, hat vorne zwei kleine Räder, die an vielen Stellen nicht vorbeikommen. Autofahrer hupen dann oft und schütteln den Kopf, wenn Ursula Schimon auf die Straße ausweicht. „Für Menschen, die nicht mit dem Problem konfrontiert werden, ist das nicht immer verständlich“, gesteht sie. Aber ihr bleibt keine andere Wahl, wenn sie in Richtung Marktplatz Welper fährt. Zumal ihr Mann Gerd nicht immer mitgehen kann. „Ich möchte aber selbst flexibel sein, das steigert das Selbstwertgefühl“, findet Ursula Schimon, die schon oft Hilfe von Passanten bekam.

Thomas Leidigkeit vom ACE Ennepe-Ruhr plädiert für gegenseitige Rücksichtnahme. „Sie fehlt in Deutschland oft, stattdessen wird auf Regeln gepocht“, weiß er. Beim ACE wird zum Beispiel auch ein Fahrsicherheitstraining angeboten, das die Aufmerksamkeit auf andere Verkehrsteilnehmer neu wecken kann. „Wenn jeder nur auf sein Recht pocht und sich keine Gedanken macht, warum eine Situation so ist, wie sie ist, gibt es im schlimmsten Fall Verletzte“, sagt Leidigkeit.