Ritter, Burgen und Intrigen
22.12.2009 | 17:38 Uhr 2009-12-22T17:38:00+0100Neue Hinweisschilder rücken mittelalterliche Bauwerke des Ruhrgebiets ins rechte Licht.
Kultur im Ruhrgebiet ist für viele erst einmal Industriekultur. Hattingen und Umgebung haben aber viel mehr zu bieten. „Es gibt viele Burgen und Schlösser, die diese Region über Jahrhunderte geprägt haben”, so Bauminister Lutz Lienenkämper am Montag beim Pressetermin in der Gaststätte „Tum Bur”. Für Familien und Schulklassen sollen die historischen Gebäude nun durch Stelen besonders herausgestellt werden. Auf den Hinweisschildern können sich Interessierte über die Geschichte der Bauwerke informieren. Geplant sind über 40 Beschilderungen zwischen Dortmund und Duisburg.
Anfang 2010 gibt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) außerdem den Führer „Burgen 'auf Ruhr'” heraus. „Dort werden auf 500 Seiten 101 Burgen im Ruhrgebiet erläutert”, erklärt LWL-Direktor Wolfgang Kirsch. Von 400 historischen Bauwerken im Ruhrgebiet wurden die spannendsten herausgesucht. In Hattingen: Isenburg, Burg Blankenstein, Haus Kemnade.
So nimmt der Führer Bezug auf den 17. November 1225. An jenem Tag starb Erzbischof Engelbert I. bei einem Überfall. Graf Friedrich von Isenberg soll seinerzeit dafür verantwortlich gewesen sein. Deshalb zerstörten kölnische Parteigänger die Isenburg und richteten den Grafen hin. Seither wurde die Isenburg nicht wieder aufgebaut. Neben den geschichtlichen Beschreibungen und aussagekräftigen Bildern sollen auch Besucherinformationen wie Lageplan, Öffnungszeiten, Kontaktdaten im Führer enthalten sein.
Gestalter des historischen Führers ist Stefan Leenen vom LWL-Museum für Archäologie in Herne. Dort läuft vom 27. Februar an die Mittelalter-Ausstellung „Aufruhr 1225! - Ritter, Burgen und Intrigen”. Sie soll größer werden als alle Ausstellungen, die es bisher im Ruhrgebiet gab. Die Inhalte der Sonderausstellung sollen durch die Beschilderung und den Führer für Interessierte erlebbar gemacht werden: In der Ausstellung informieren sich die Besucher, nach der Ausstellung können sie mit dem Führer die Burgen selbst erkunden. „Wir möchten ein außerschulischer Lernort sein”, sagt LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Thale. So soll die Geschichte der Region auch für nachkommende Generationen erfassbar sein.
In der Ausstellung nimmt die Isenburg einen besonderen Platz ein. Ein großes Modell stellt das mittelalterliche Leben dar. „Zudem sind viele interessante Funde zu sehen”, sagt Walter Ollenik vom Fachbereich Weiterbildung und Kultur der Stadt Hattingen. Hier wird die Isenburg künstlerisch beleuchtet – bei verlängerten Öffnungszeiten. Die neuen Schilder helfen Besuchern die wichtigsten Punkte der Burg zu entdecken. „So hoffen wir, dass Kulturwanderer die Isenburg stärker wahrnehmen”, sagt Ollenik. Die Region habe viel zu bieten. „Wir sind mit unserem historischen Erbe zufrieden”, so Bürgermeisterin Dagmar Goch, „die enge Mixtur von mittelalterlicher Geschichte und Industrie ist sehr spannend.”
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