Ringen um Ausbildung der Pflegekräfte

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Was wir bereits wissen
Laut Gesetz können auch Hauptschulabsolventen die Ausbildung machen. Mit Blick auf steigende Anforderungen nimmt die Krankenpflegeschule am EvK aber nur Bewerber mit Mittlerer Reife.

Hattingen..  Eine volle Krankenstation und nur wenige Pfleger, die von einem Zimmer zum anderen hetzen. Das ist der Alltag in vielen in Pflegeeinrichtungen. Denn an allen Ecken und Enden fehlt es an Personal.

Die Krankenpflegeschule der Augusta Kliniken in Hattingen bildet zurzeit 100 Schüler aus. Davon haben alle einen mittleren oder höheren Bildungsabschluss. Das muss nicht zwangsläufig so sein. Im ursprünglichen Krankenpflegegesetz von 2004 steht noch, dass eine der Zugangsvoraussetzungen der Ausbildung ein mittlerer Bildungsabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit einer erfolgreichen zweijährigen Berufsausbildung ist. Nachträglich ist das Gesetz so geändert worden, dass auch Bewerber mit Hauptschulabschluss die Ausbildung machen können.

2100 statt 1600 Stunden Theorie

Silvia Ballein ist Schulleiterin der Krankenpflegeschule am EvK und erklärt, warum die Schule nur Bewerber mit mittlerem oder höherem Bildungsabschluss nimmt: „Seit der Änderung des Krankenpflegegesetzes ist der Theorieblock von 1600 auf 2100 Stunden gestiegen und somit auch das Anforderungsniveau. Leute mit Fachoberschulreife müssen sich schon sehr anstrengen, um den Stoff bewältigen zu können. Da ist es für solche mit Hauptschulabschluss noch schwerer.“ In den vergangenen Jahren hat sich viel in der Pflegewissenschaft getan. Standards, Qualitätsmanagement und psychologische Lernfächer sind bei den Ausbildungsschwerpunkten dazugekommen. Ein großer neuer Block gilt der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen.

Stefan Buschhaus ist Heim- und Pflegdienstleiter des Altenzentrums Heidehof. Seiner Meinung nach sagt der Schulabschluss nicht viel darüber aus, ob man im Krankenpflegeberuf geeignet ist oder nicht: „Mir ist es immer am wichtigsten, dass unsere Pflegekräfte einen guten Bezug zum Menschen haben.“ Denn für Buschhaus ist eine Arbeit in der Pflege kein Beruf, sondern eine Berufung: „Wenn man merkt, dass ein Bewerber die Ausbildung wirklich will, dann sollte es egal sein, welchen Schulabschluss er vorweisen kann.“

Ähnlicher Meinung ist Andrea Wehner. „Nur weil man in Fächern wie Mathe, Deutsch oder Englisch nicht so gut war, heißt das noch lange nicht, dass man in dem, was einem wirklich Spaß macht, nicht plötzlich richtig gut sein kann“, sagt die Lehrerin für Pflegeberufe am Berufskolleg Hattingen.

Unterschiedliche Antworten also auf die Frage, ob Kandidaten mit Hauptschulabschluss die Suche nach Pflegekräften entzerren sollten. Buschhaus wirbt für seine Meinung: „Natürlich soll man nicht irgendjemanden nehmen, sondern den, der das Herz dafür hat.“