Rat holen bei Familienhebammen

Silvia Pollick (li.) und Vanessa Finck
Silvia Pollick (li.) und Vanessa Finck
Foto: Funke Foto Services
Stadt bietet in den Kitas im Rauendahl, Bredenscheid und Niederbonsfeld monatliche Sprechstunden an – kostenlos und ohne Anmeldung.

Hattingen..  Auf dem Tisch vor Silvia Pollick liegen jede Menge Pröbchen rund um Babypflege und -ernährung. Dazu Flugblatt und Informationsbroschüren. Von hier aus fällt der Blick direkt aufs Außenspielgelände der evangelischen Kita Rauendahl. Dort toben sich Jungen und Mädchen bis zu sechs Jahren aus. Diese Zielgruppe hat die Familienhebamme nicht speziell im Blick, sondern Schwangere und Familien mit Kindern bis zu einem Jahr.

Im Rahmen der frühen Hilfen unterstützt das Familienministerium Kommunen, damit Kinder gut aufwachsen können. Der Fachbereich Jugend der Stadt bietet kostenlos und ohne Anmeldung Sprechstunden mit Familienhebammen an. Das sind keine Hebammen, die sich nur bis zu acht Wochen nach der Entbindung um Mutter und Kind kümmern und ins Haus kommen.

Silvia Pollick, die früher im Kreißsaal gearbeitet hat und drei Familien in Hattingen unterstützt, darunter eine 17-jährige Schülerin, macht nach einer Zusatzausbildung hier ein niederschwelliges Angebot, das alle Familien nutzen können. Ob es um Stillen, Ein- und Durchschlafen, Ernährung, gesunde Entwicklung, Sicherheit im Haushalt oder andere Fragen geht: Die 46-Jährige hilft mit Rat und Tat. An die Kita ist die Sprechstunde angedockt, weil hier Familien und Kinder zusammenkommen.

Familienhebammen seien nichts Neues für Hattingen, so Susanne Wegemann aus dem Pressebüro der Stadt. Neu sei ihr Einsatz in Kitas. In den Familienzentren Südstadt und Holthausen gebe es bereits Babysprechstunden. Nun soll in anderen Stadtteilen ein Angebot gemacht werden.

Es komme immer wieder vor, dass sehr junge Frauen schwanger werden, sagt Silvia Pollick. Andere sind alleinerziehend, haben keine Familie im Rücken, die sie unterstützt. Manche Frauen haben psychische Probleme, Depressionen, ein Suchtproblem, befinden sich „in einer sehr belastenden Situation“, sind isoliert. Armut ist ein großes Problem.

Die Familienhebamme, die selbst drei Kinder hat, will dazu beitragen, dass Jungen und Mädchen „einen guten Start ins Leben haben“, die Isolation der Mütter aufbrechen, sie einbinden in ein Netzwerk. „Ich begleite auch zur Tafel“, sagt sie. Sie sieht sich als Lotsin, hilft, regelmäßige Termine beim Kinderarzt wahrzunehmen, verweist auf Schuldnerberatung oder rät, einen Haushaltsplan aufzustellen. Was sie besonders freut: Wenn Frauen, die vorher vor lauter Sorgen kein Land sehen, ihr Kind anlachen und dieses zurücklacht. Nur wer sich selbst gut fühle, könne das positive Gefühl weitergeben.

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