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Konzertreise

Pure Energie und Lebensfreude

18.02.2010 | 17:03 Uhr

Musikschulleiter Peter Brand hat beim „Bildungsurlaub” mit Jugendlichen in Chile mit Konzertreise aufgetankt.

Sonne satt, alle Viere von sich gestreckt: Für manche der ideale Urlaub. Die Arbeit weit weg. Andere tun auch in den Ferien das, womit sie sich das Jahr über viel und gern beschäftigen. Peter Brand hat einen musikalischen Bildungsurlaub hinter sich.

Aus der Musikschule hat sich deren Leiter keine Arbeit mitgenommen nach Chile. Dorthin ist er an Heiligabend geflogen. Doch die Konzertreise durch das südamerikanische Land war erfüllt von Musik. Tagtäglich. Wochenlang. Bei der Rückkehr hat Peter Brand dann gleich das Einsparpotenzial empfangen, das der Kulturausschuss bei der Musikschule sieht. Und wahrscheinlich ist ein Teil der Urlaubsbräune gleich verblasst.

Von der Energie, die er weniger bei der Sonne getankt hat - „stundenlang zu proben bei 35 bis 40 Grad” sei sehr beschwerlich - als im Umgang mit den begeisterungsfähigen Musikern, wird er länger zehren: „Egal wie anstrengend es war, und es war sehr anstrengend. Ich kann da auch viel rausziehen.” Er ist immer noch begeistert: „Die Kinder hatten eine Energie, einfach super.”

Mit 26 Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren hat er gearbeitet. Sie sehen in der Musik eine Chance, dem Elend zu entkommen und Musiker zu werden. Viele schaffen es auch. Die Chance bietet ihnen ein Proberaum in der Grundschule Conchali in Santiago. Hier mitmischen zu dürfen, darum bewerben sich 400 Kinder. 40 werden genommen. Ein Auswahlkriterium ist Talent, ein anderes die soziale Komponente. Da gibt es den hochbegabten Trompeter - „ein tolles Talent”, schwärmt Brand - ebenso wie den Sohn des Drogenbarons.

„Unfassbar” findet er immer noch, wie die jungen Leute fünf, sechs Stunden am Stück Musik machen können. Mit Verletzung an der Lippe wird Blasinstrument gespielt. Zwischendurch kommt Eis drauf. Fertig. Und die Jugendlichen in Südamerika „spielen alles, jedes Instrument”. Oft mehrere. Hauptsache Musik. Eine Umstellung für einen Musiklehrer, der zu Hause auch mit Eltern zu tun hat, die sauer sind, wenn ihr Kind bei Jeki nicht das bevorzugte Instrument spielen kann, sondern nur das der zweiten oder dritten Wahl. Oft hat die Auswahl mit dem Modegeschmack zu tun. Da kann man sich dann vor Saxophonen nicht retten.

Doch für ein Zusammenspiel braucht es viele unterschiedliche Töne. Das mussten allerdings auch die Jugendlichen in Chile, von denen die Hälfte noch keine andere Stadt gesehen hat, erst lernen. Auch dass die Band als Ganzes bei Auftritten gut rüberkommen muss - nicht nur der einzelne Spieler, der die Chance nutzt und sich auf der Bühne produziert.

„Sehr eindrucksvoll” fand Peter Brand, dass es keine Probleme mit Alkohol und Drogen gab. „Die Jugendlichen wussten aber auch: Wir stecken sie sonst in den Bus.” Die Konzertreise, die 6000 Kilometer bis in den Süden führte, wäre vorbei gewesen. Das wollte niemand riskieren. Auch die Jugendlichen mit „sehr harter Biografie” nicht. Wie der Junge, dessen Vater sich drei Wochen vorher umgebracht hatte.

Vom Macho-Image musste mancher Jugendliche abrücken. Nur am Anfang schleppten die Erwachsenen die vielen Instrumente allein. Anstecken ließ sich der Lehrer aus Deutschland von der Lebensfreude. War begeistert, wie die Jugendlichen Verzögerungen bei einem Auftritt ohne Lampenfieber souverän mit spontanen Einlagen überspielten.

Brigitte Ulitschka

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