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Psychedelisch verswingter Bach

30.09.2012 | 20:00 Uhr
Psychedelisch verswingter Bach
Die beiden Musiker Timm Beckmann und Tobias Jansen gaben ihr musikalisches Kabarett am Freitagabend im Alten Rathaus in Hattingen zum besten. Im Bild: Timm Beckmann (Klavier) und Tobias Jansen an der Gitarre.Foto: Eva Baertz

Hattingen. Pro:c-dur heißt ein Kabarettkonzert, in dem Pianist Timm Beckmann und Tobias Janssen an der Gitarre am Freitagabend dem Publikum im Alten Rathaus ihren repräsentativen Querschnitt durch die Musikgeschichte vorstellten.

Nach einem kurzen Blick auf den „unbekannten“ Komponisten Frédéric Chopin, auf den sie beim Stöbern mal aufmerksam geworden waren, präsentiert das Duo dem Publikum „die ganze Wahrheit“ über Robert und Clara Schumann und deren Verhältnis zu Johannes Brahms. „Stellen Sie sich vor: Schumann will sich ersäufen, weil seine Frau ihn mit dem Brahms beschissen hat, und man fischt ihn aus dem Rhein und sperrt ihn in die Irrenanstalt – wo er auch stirbt. Und die Clara kommt auch noch auf den 100-Mark Schein!“

Boulevard und Humoreske prägen die Kabarettshow der beiden Entertainer, die sich akribisch auf musikalische Spurensuche begeben und dabei ein faszinierendes Cross-over musikalischer Stile und Epochen mit viel Witz und Esprit herausarbeiten. Sie sinnieren darüber, ob ein Stück aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ während eines Gefängnisaufenthaltes des Meisters in Köthen komponiert und von einer wundersam langlebigen dressierten Briefmaus, der Vorgängerin der WDR-Maus, nach Köln transportiert wurde.

Wie das heute klingen würde, stellen sie dem Publikum auch sofort vor – ein psychedelisch verswingter Bach. Timm Beckmann stellt auch gleich unter Beweis, dass das Kinder- und Weihnachtslied „Ah vous dirais-je Maman“ auf eine Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart zurückzuführen ist und spielt es sofort als Pop-Version - die eine auffallende Ähnlichkeit zur Titelmelodie der „Sesamstraße“ aufweist. Plagiat oder Inspiration? Darüber lässt sich trefflich streiten. Ob Lady Gaga weiß, dass sie schon mal Anleihen bei Mozarts „Zauberflöte“ macht? Rimsky-Korsakows „Hummelflug“ wird verrockt, und auch die Nationalhymnen nehmen die beiden Vollblutmusiker und Allroundtalente unter die Lupe. Anschaulich illustrieren sie musikalisch die Zusammenhänge zwischen einer kroatischen Volksweise und Joseph Haydns „Kaiserquartett“ mit der deutschen und der englischen Nationalhymne. Da einige Hymnen nicht vielseitig genug seien, schlagen sie „Alternativhymnen für besondere Zwecke“ vor: Vor allem die Europahymne nach Beethovens „Alle Menschen werden Brüder“ sollte zur Zeit der Eurokrise und des Zoffs um Hilfspakete und „Rettungsschirme“ besser durch den ABBA-Song „Money Money“ ersetzt werden.

Konstanze Führlbeck



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