Prinzessin lässt Bilder wackeln

Sturm aufs Hattinger Rathaus.
Sturm aufs Hattinger Rathaus.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Holti Holau im Rathaus mit angedrohten Handschellen und viel Programm.

Hattingen..  „Die da drinnen regieren in Handschellen abzuführen“, formuliert Ingrid Scheller das jecke Begehren, bevor sich Prinzessin Svenja I. und Prinz Manuel I. der Rathausschlüssel in Silber und Gold bemächtigen. Die neuen Regenten bringen das Gebäude ab 11.11 Uhr am gestrigen Donnerstag zwar nicht zum Wanken – aber immerhin die vier Gemälde im Rathaussaal zum Wackeln und Gegeneinanderschwingen, als die neue Hausherrin zum Rhythmus der Musik mittanzt und ihr weites Kleid die Bilder berührt. „Das macht so viel Spaß, das ist genau meins“, hat Svenja I. draußen geschwärmt und steckt mit ihrem Strahlen und Stimmung an.

Drei Krabbelgruppen-Mütter hatten die bunte Truppe Karnevalisten zuvor durch die Fußgängerzone ziehen sehen und sich ihnen angeschlossen: „Wir wollten mal gucken, was im Rathaus ist und dachten, das wäre schön für die Kinder“, sagt Ann-Kathrin Janich (25), Mama von Emily (zehn Monate), die mit roten Herzchen auf den Wangen und rosafarbenem Plüsch-Heiligenschein eingeschlafen ist. Auf dem Flur stellen sich derweil Holtis Tanzmariechen auf, Solo-Tanzmariechen Eileen macht sich auf einer blauen Decke warm, wird gleich mit dem Tanz zum Lied über Narren, die bunt und nicht grau sind, für Toleranz werben.

„Tote Enten sollten nicht verwesen, tote Enten bringt man besser zum Chinesen“ singen die Karnevalisten das immer wieder zwischendurch eingespielte Lied mit. Das lässt Herbert kalt. Das Stofftierschaf ist Maskottchen der Tanzgarde der Ruhrölften. Auf ihn passt Johanna Evers (25) mit Janina Keßler (25) auf. „Ich bin zum ersten Mal dabei, das ist großartig, das habe ich mir nicht so vorgestellt“, sagt Johanna. Janina war 2014 dabei: „Mir war letztes Mal sofort klar, dass ich wieder gehe.“

Von Mama ließ sich Emma (3) eben noch hoch in den Saal tragen. Jetzt tanzt sie selbstbewusst erst an Holtis Hand, dann mit den Tanzmariechen des Aktivenkreises Holthauser Rosenmontagszug. Der Fanfarenzug Rot-Weiß spielt, die Ruhrölften-Tanzgarde schwingt die Beine, die Awo-Tanzmäuse Hüften und Degen als Musketiere. Ingrid Scheller steigt als Tusnelda in die Bütt, von dort wettert Frau Antje über Maut, lobt Hattinger Spendenbereitschaft. Der Kinderprinz, am Vortag noch krank im Bett, tanzt mit seiner Prinzessin, beklatscht auch vom Lebenshilfeprinzenpaar am mit Luftschlangen geschmückten Tisch. Und als Bürgermeisterin Dagmar Goch versichert „Ich habe Zeit“, hört sie: „Wir aber nicht“. Immerhin: Die angedrohten Handschellen gibt es nicht.