Premiere für ehrenamtliche Seelsorger

Zertifikate erhielten die ehrenamtlichen Seelsorger in Hattingen.
Zertifikate erhielten die ehrenamtlichen Seelsorger in Hattingen.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Pilotprojekt des evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten: Mit dem Einsatz ehrenamtlicher Seelsorger geht die Kirche einen neuen Weg

Hattingen..  Der evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten geht in der Seelsorge neue Wege. Ab sofort werden ehrenamtliche Seelsorger eingesetzt. Damit startet ein Pilotprojekt der Kirche. In Hattingen betreut Barbara Krüsmann-Ecker Gläubige in der Gemeinde Winz-Baak und Patienten im Evangelischen Krankenhaus (EvK). Auch Doris Koch ist im EvK im Einsatz.

Im Kirchenkreis waren bisher acht hauptamtliche Seelsorger unterwegs – die Pfarrer der Gemeinden. Nun wurden im gesamten Kirchenkreis zusätzlich zehn Ehrenamtliche zu Seelsorgern ausgebildet. „In Zukunft werden wir noch mehr ehrenamtliche Seelsorger brauchen“, schätzt Pfarrerin Annedore Methfessel. Sie ist eine der Leiterinnen der Ausbildung, die Barbara Krüsmann-Ecker und Doris Koch in den vergangenen neun Monaten durchlaufen haben.

Die beiden Hattingerinnen nehmen nun täglich ihre Aufgabe wahr. „Wir schenken anderen Leuten Zeit“, beschreibt Barbara Krüsmann-Ecker die Seelsorge. Sie kommt mit ihrem Gegenüber ins Gespräch. Dessen Verlauf ergibt sich je nach Verfassung des Ratsuchenden. Im Schnitt dauert ein Gespräch 45 Minuten. „Wenn es länger als eine Stunde läuft, sollte man sich darauf einigen, es zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen“, sagt Annedore Methfessel.

Während der Ausbildung haben die ehrenamtlichen Seelsorger gelernt, wie sie Gespräche führen, und geübt, sich auf Reaktionen und Gedankengänge einzulassen. Voraussetzungen für das Amt sind Geduld, Empathie und die Freude, mit anderen Menschen zu sprechen. Vor Beginn ihrer Ausbildung durchliefen die angehenden Seelsorgerinnen drei Stationen: schriftliche Bewerbung, Einzelgespräch und Gruppenstunde.

Die ehrenamtlichen Seelsorgerinnen empfinden ihre Arbeit als Bereicherung: „Wir geben Zeit für die Gespräche und nehmen ein gutes Gefühl mit“, findet Doris Koch. Viele Leute suchen ein offenes Ohr, weil sie persönliche Probleme nicht mit der Familie besprechen wollen und beim Gespräch mit Fremden eine gesunde Distanz sehen. Manchmal könne die Seelsorge so an einem Wendepunkt im Leben entscheidend sein. Aber auch fröhliche Gespräche können Teil einer Seelsorge sein.

Neben Krankenhäusern und Gemeinden will der Kirchenkreis die Seelsorger auch in Altenheimen einsetzen. Inwiefern sich die Einsatzbereiche der Hattinger Seelsorgeinnen erweitern werden, wird sich künftig ergeben. Denkbar wäre zum Beispiel ein Seelsorgeangebot in Form einer Gruppenstunde, wie es in der Gemeinde Wengern in Wetter entstehen soll.