Polizei meldet ein Viertel mehr Sexualdelikte

Kriminalhauptkommissar Uwe Kreis leitet Präventionsveranstaltungen in den Schulen.
Kriminalhauptkommissar Uwe Kreis leitet Präventionsveranstaltungen in den Schulen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Problem sind Jugendliche, die Nacktbilder von sich versenden, die sich dann in sozialen Netzwerken verbreiten. Hohe Dunkelziffer. Polizei verzeichnet inzwischen aber mehr Anzeigen.

Hattingen..  Um fast ein Viertel angestiegen sind die Fälle an Sexualdelikten, die die Polizei des Ennepe-Ruhr-Kreises (außer Witten) im vergangenen Jahr zu bearbeiten hatte. 98 Fälle weist die Kriminalitätsstatistik für 2014 aus. Dabei habe es mitnichten mehr Vergewaltigungen oder ähnliches gegeben. Viel mehr gibt es inzwischen ein massives Problem mit hemmungslosen Selbstportraits, die unter Schülern rasant verbreitet werden und als Verbreitung von Pornografie in der Sexualstatistik auftauchen. „Jugendliche kennen keine Grenzen mehr“, weiß Kriminalhauptkommissar Uwe Kreis von der Abteilung Kriminalprävention.

Es ist modern, alle machen es, Gruppenzwang entsteht. „Das geht bis zur Nötigung. Nach dem Motto: ‘Wenn du mir kein Nacktfoto schickst, dann bist du nicht mehr meine Freundin’“, erklärt Uwe Kreis. Er ist regelmäßig in Schulen zu Gast – um aufzuklären über Mobbing und die Gefahren, die Kontrolle über das eigene Bild zu verlieren. Denn genau das ist es, was vielfach geschieht. Bilder, vielleicht privat an den Schwarm geschickt, verbreiten sich rasend schnell, vor allem über Nachrichtendienste wie Whatsapp. „Und die Fotos werden mittlerweile pornografisch“, sagt Kreis.

Dabei seien sowohl Jungen, wie auch Mädchen Urheber der Bilder. Verbreitet würden sie allerdings eher von Jungen. Auch eine bestimmte Altersgruppe kann Kreis nicht ausmachen. „Sie werden immer jünger“, betont er. Schon in der sechsten Klasse seien die Bilder ein Thema. Seien früher vor allem von anderen gemachte Fotos ein Problem gewesen, sind es heute die Selfies.

Ein Fall für die Polizei werden sie, wenn Anzeige erstattet wird. Meist dann, wenn Schüler das Cybermobbing nicht mehr aushalten. Aber längst nicht alle Vorfälle werden polizeibekannt. „Wären alle erfasst, würde ein Aufschrei durch die Republik gehen“, ist Kreis sicher, dass viel im Dunkeln liegt. Dabei geht der Polizist davon aus, dass nicht die Fälle mehr geworden sind, sich aber die Wahrnehmung verändert hat und deshalb mehr zur Anzeige gebracht wird – ein Erfolg der Aufklärung. Auch Schulen seien inzwischen sensibler geworden, Prävention stark nachgefragt.

Was er sich wünscht, ist eine Änderung des Verhaltens der Jugendlichen. Unbeteiligte Dritte müssten nicht alles kommentieren und einen Eintrag zu verbreiten. „Kämpft nicht gegen die Täter, sondern ergreift Partei für die Opfer“, rät er. Und das persönlich. Grundsätzlich empfiehlt der Experte, so wenig wie möglich von sich preizugeben. Denn: „Diese Bilder laufen den Opfern ein Leben lang nach.“ Zwar trage ein Opfer niemals eine Schuld an einer Straftat, betont er, das Verhalten anderer könnte aber gefördert werden. Deshalb ist es so wichtig, das eigene Verhalten zu ändern.