Polizei: Bei Verdacht sofort die 110 anrufen

Zeigen die Arbeit in der Leitstelle der Polizei: Udo Scholz, Daniela Timmermanns und Michael Karisch (v.l.) Foto:Steffen Gerber
Zeigen die Arbeit in der Leitstelle der Polizei: Udo Scholz, Daniela Timmermanns und Michael Karisch (v.l.) Foto:Steffen Gerber
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Was wir bereits wissen
Von der Leitstelle der Kreispolizei aus werden täglich um die 120 Einsätze koordiniert. Die Zahl der Anrufe ist aber weit höher. Am häufigsten werden Unfälle gemeldet.

Hattingen..  „Haben Sie keine Hemmungen, sofort die 110 zu rufen, wenn Sie etwas Verdächtiges beobachten“, appelliert die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis an die Bürger. Um zu erklären, was passiert, wenn ein Notruf eingeht, hat die WAZ die Leitstelle der Kreispolizei besucht, die auch Einsätze in Hattingen koordiniert.

Verdächtig kann das Auto sein, das auf und ab fährt. Verdächtig können die unbekannten Personen sein, die einen genauen Blick auf Wohnhäuser werfen oder vieles mehr. „Nur wenn sofort die Polizei gerufen wird, haben wir die Chance, mögliche Täter zu schnappen“, betont Polizeisprecher Dietmar Trust und seine Kollegin Laura Schäfer ergänzt: „Beraten Sie nicht erst lange mit anderen. Bis dahin können die Verdächtigen weg sein.“

24 Stunden am Tag erreichbar

Die Anrufe über die Nummer 110 landen in der Leitstelle der Polizei im Schwelmer Kreishaus. Mit zwei bis drei Beamten ist die 24 Stunden am Tag besetzt. Auch der Hattinger Udo Scholz nimmt hier seit einigen Monaten die Anrufe entgegen. „Als der Gas-Alarm am Ortho Mobile war, da war ich gerade zwei Wochen hier im Dienst“, erinnert er sich.

Alltag ist so ein Großeinsatz nicht, sondern Anrufe wie der, der soeben auf einem der vier Monitore vor ihm und auch vor seiner Kollegin angezeigt wird. „Die Anrufe laufen bei allen auf, wer frei ist, nimmt an“, erklärt er und meldet sich „Polizei-Notruf“. Scholz lässt sich berichten, dass der Anrufer eine verdächtige Person bemerkt hat. Er fragt ab, wo das genau war. „Bitte beschreiben Sie die Person“, fordert der Hattinger den Anrufer auf, stellt Nachfragen und gibt die Antworten in den Computer ein. Auf einem anderen Monitor kann Scholz sehen, wo aktuell Kollegen unterwegs sind. „Ich schicke einen Streifenwagen“, teilt er dem Anrufer mit.

Damit keine Information verloren geht, werden alle Gespräche mitgeschnitten und können notfalls noch einmal angehört werden. Das komme aber nur selten vor. Auch die Nummer der Anrufer wird stets übermittelt – so sind gegebenenfalls auch Rückfragen möglich.

Viele Gespräche dauern nur um die zwei Minuten. „Die meisten Anrufe gibt es wegen Unfällen“, weiß Michael Karisch, Leiter des Führungs- und Lagedienstes. Dazu kommen Hilfe-Ersuchen, zum Beispiel bei Ruhestörungen. Etwa 120 bis 130 Einsätze werden täglich von der Leitstelle aus veranlasst. Anrufe gibt es aber oft deutlich mehr: „Leute rufen auch wegen ganz Banalem an: für eine Wegbeschreibung oder es gibt Frustrierte, die ,Arschloch’ rufen und es gibt die, die einfach mit der Polizei reden wollen“, erzählt Karisch. „Einmal hat sich jemand beschwert, dass die Pumpe der Heizung zu laut sei“, sagt Scholz.

In der Leitstelle ist Empathie und auch ein bisschen Psychologie gefragt. Außerdem müssen die Polizisten Prioritäten für die Einsätze festlegen. Udo Scholz ist seit 35 Jahren bei der Polizei, war 20 Jahre auf der Straße unterwegs. Die Erfahrung kommt ihm jetzt zugute. In Zweifel aber, da sind sich alle einig, sollten Bürger lieber einmal zu viel als zu wenig oder zu spät anrufen. „Manchmal erhalten wir E-Mails mit verdächtigen Beobachtungen“, sagt Laura Schäfer. Die Täter sind dann längst über alle Berge.