Politik wird auch in der Kneipe gemacht

Theo Haske
Theo Haske
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Was wir bereits wissen
Theo Haske (75) ist der dienstälteste Kommunalpolitiker der Stadt. Als das neue Hattingen 1970 an den Start ging, kam er in den Rat. Dort macht er bis heute Politik - und mehr.

Hattingen..  Als Theo Haske zum Gespräch in die WAZ-Redaktion kommt, hat er einen anderen Termin gerade hinter sich.In Niederwenigern hat er sich mit dem Baudezernenten getroffen. Ihm gezeigt, wo unbedingt zwei weitere Abfallbehälter aufgestellt werden müssen. Drei, vier andere wichtige Dinge übers Dorf besprochen. Typisch. Theo Haske und Niederwenigern sind untrennbar.

Doch der Wennische, der so verbindlich argumentieren und in der nächsten Minute so schroff polarisieren kann, hat in seinen bisher 58 politischen Jahren weit mehr geleleistet als sein Dorf sauber zu halten.

Am Anfang ist Konrad Adenauer. Er ist der Grund dafür, dass Theo Haske, der 1939 in Niederwenigern geboren wurde, dort zur Schule ging und Niederwenigern bis heute nicht verlassen hat, 1957 in die CDU eintritt. Ein Jahr später gründet er die Junge Union in Niederwenigern. 1970, mit dem Start der neuen Stadt Hattigen, beginnt dann auch für Theo Haske das Kapitel Kommunalpolitik neu. Über die Reserveliste zieht er erstmals in den Stadtrat ein. Und setzt gleich die ersten Duftmarken innerhalb seiner Partei – wird Pressesprecher, kommt in den Fraktionsvorstand. 1975, bei der nächsten Wahl, tritt er erstmals als Direktkandidat an – in Winz-Baak. In den drei Wennischen Wahlbezirken haben noch andere das Sagen: Franz Hendrix, Hubert Homann, Fritz Löbbecke. In Winz-Baak fordert Haske Bürgermeister Günter Wüllner (SPD) heraus. Kommt auf 31 Prozent der Wählerstimmen und damit auf zwei Prozentpunkte mehr als sein Vorgänger im Wahlbezirk.

1979 erhält Theo Haske dann den ersehnten Wahlbezirk in Niederwenigern – und lässt ihn nicht mehr los. Bis heute verteidigt er ihn mit absoluter Mehrheit. Und schreibt Kritikern ins Gewissen. „Auch in Niederwenigern fallen die Stimmen nicht vom Himmel. Man muss schon etwas dafür tun.“

Die Jahre nach 1979, sie sagen vielleicht am meisten über den Menschen und Politiker Theo Haske aus. Die SPD hat ihre absolute Mehrheit im Rat verloren. Die CDU erstreitet eine Beigeordnetenstelle. Und Haske spielt das aus, was er seine politische Stärke nennt: Verhandlungsgeschick in Gesprächen. In der eigenen Partei, mit dem politischen Gegner – Theo Haske zieht Fäden, bleibt aber berechenbar. Und lernt die Runden in der Kneipe schätzen. „Damals ging das noch“, sagt der Wennische, „sich im Stadtrat zu fetzen und am Abend in gemütlicher Atmosphäre gütliche Einigungen zu erzielen. Es nutzt doch nichts, andere Parteien zu ignorieren, Menschen zu verletzen, die Kommunikation abzubrechen.“

Theo Haske nennt keine Namen. Doch jeder weiß: Er hat dafür gesorgt, dass sich die Fraktionschefs Gerhard Nörenberg (CDU) und Achim Paas (SPD) nach jahrelanger Eiszeit wieder die Hand gaben. „Anders als in einem vernünftigen Miteinander sind 45 Jahre in der Opposition doch nicht zu ertragen“, resümiert Haske. Und vermisst die klärenden Kneipengespräche sehr. „Der Geist von 1970, er ist einfach verloren gegangen.“

„Deine Chance in der Neuen Stadt: CDU“ haben die Christdemokraten 1970 ihren Wahlkampf überschrieben. Theo Haske hat sie genutzt. Gerne an vorderer Stelle: Seit 1975 ist er Vorsitzender des Ortsverbands Niederwenigern, seit 1984 Ortsbürgermeister, seit 1999 stellvertretender Ratsfraktionschef. Immer zäh, manchmal polternd, oft erfolgreich setzt sich der 75-Jährige für sein Dorf und seine Stadt ein. Abwechslung findet er mit seiner Frau beim Bergwandern in großen Höhen. Und beim Fußball. Länger als Politiker ist Haske nur dies: Mitglied bei den Sportfreunden.