Phillip Jung erlebt Bundespolitik hautnah

Foto: Jung
Was wir bereits wissen
Er ist Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordnetem und weiß, wo Politik besonders spannend ist.

Hattingen..  Seit einem Jahr erlebt der Hattinger Phillip Jung das politische Geschehen in Berlin hautnah. Der Student ist Mitarbeiter bei Bundestagsmitglied Ralf Kapschack. Und als solcher erhält er intensive Einblicke und hat einen Tipp für alle, die die spannende Seite der Politik kennenlernen wollen.

„Der Weg zum Mitarbeiter war lang, über einige Sommer hinweg“, erzählt Phillip Jung. Für den 25-Jährigen begann er bei der vergangenen Bundestagswahl, bei der er im Wahlkampf helfen wollte, mit einem Praktikum. „Ich wollte Politik erleben“, sagt er. Denn das Studium der Politikwissenschaften sei doch sehr theoretisch. „Mich hat interessiert, was Demokratie praktisch bedeutet“, betont der Hattinger.

Das erfährt er jetzt vor allem in den Zuschriften der Wähler aus Hattingen, Herdecke, Sprockhövel, Wetter und Witten, dem Wahlkreis von Ralf Kapschack. Deren Briefe landen unter anderem auf seinem Schreibtisch. „Meine Aufgabe ist, zu den Themen zu schauen, was es dazu gibt“ und damit seinem Chef zuzuarbeiten. Denn Fragen kommen zu den unterschiedlichsten Bereichen. Entsprechend sind die Arbeitstage des Hattingers zum Teil lang – können leicht von 9.30 bis 21 Uhr dauern.

Aber Jung rät allen Wählern zum Dialog mit den Abgeordneten des Wahlkreises. „Schreiben Sie Briefe oder E-Mails“, betont er. „Das Kurioseste war bisher, als jemand eine Frage zur Flughöhe von Drohnen hatte. Aber das ist auch wichtig, denn Drohnen können ja weit weg vom Bediener fliegen.“ Auch zum Freihandelsabkommen TTIP häufen sich die Fragen. „Machmal gibt es eine Welle mit 500 Briefen zu einem Thema“, sagt der 25-Jährige.

Weniger Machtbewusstsein

Das Politikgeschehen in Berlin, weiß er, ist aber oft anders, als es sich viele vorstellen – inklusive ihm selbst vor einem Jahr. „Es ist weniger ‘House of Cards’“, nimmt er Bezug auf eine Fernsehserie und erklärt lachend: „Es gibt also weit weniger Machtbewusstsein.“ Von einer Plenardebatte seien aber viele Zuschauer enttäuscht, ist ihm bewusst. Dort werde nämlich meist nicht konstruktiv diskutiert. Für Phillip Jung lange kein Grund, Politik langweilig zu finden. Er weiß: „Der spannende Teil passiert in den Ausschüssen.“