Pflanzliche Allheilmittel auf dem Hüttengelände

Birgit Ehses zeigt den Teilnehmern der Kräuterführung auf dem Gelände der Henrichshütte die Nachtkerze in voller Blüte.
Birgit Ehses zeigt den Teilnehmern der Kräuterführung auf dem Gelände der Henrichshütte die Nachtkerze in voller Blüte.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Naturpädagogin Birgit Ehses macht bei einer Kräuterführung rund um den Hochofen die Pflanzenwelt mit allen Sinnen erfahrbar.

Hattingen..  In der kargen Umgebung der Henrichshütte, zwischen Hochofen und rostigen Bahnschienen, haben viele heimische und ausländische Kräuter und Pflanzen eine neue Heimat gefunden. Naturpädagogin Birgit Ehses erzählt bei Kräuterführungen „rund um den Hochofen“ ihre Geschichten. Manches unscheinbare Pflänzchen entpuppt sich als wahres Allheilmittel.

„Das ist der so genannte Beifuß“, erklärt die Museumsmitarbeiterin und deutet auf einen kaum 20 Zentimeter hohen Strauch. „Die Blätter können für Beinumschläge verwendet werden, die müde Füße und Beine wieder munter machen. Deswegen auch der Name.“ Trotz strömenden Regens haben sich 15 Kräuter­interessierte angeschlossen, stehen mit bunten Regenschirmen dicht gedrängt um Birgit Ehses herum.

Diese zeigt auf ein schmuckloses Gewächs. „Diese Pflanze ist hierzulande unter der Bezeichnung Katzenschweif bekannt“, sagt sie und nimmt die kleinen weißen Blüten zwischen zwei Finger. „Ursprünglich kommt sie aber aus Kanada, deswegen wird sie auch kanadisches Berufskraut genannt.“ Als so genannter Neophyt, also eine Pflanze die sich mit oder ohne menschliches Zutun in einem Gebiet etabliert hat, in dem sie zuvor nicht beheimatet war, sei das Kraut eingeschleppt worden und verwilderte. „Es soll vor Hexen schützen, deswegen trugen es die Menschen früher häufig bei sich oder hängten die Kräuter vor die Haustür.“

Mit aller Kraft versucht Birgit Ehses in der Hocke einen winzigen Strauch aus dem Boden zu zupfen. „Riechen Sie mal“, fordert sie die Besucher auf. Die wilde Möhre sieht anders aus als ihre gezüchteten Artgenossen, riecht aber genauso.

Birgit Ehses bleibt an einer hochgewachsenen Pflanze zwischen Bahngleisen stehen. Wie sie dort steht, kerzengerade und in gelber Blüte, weiß man, warum sie den Namen Nachtkerze trägt. „Die Oberfläche der Blätter ist filzig und weich.“ Sogleich wollen alle einmal fühlen und streichen sanft über die großflächigen Blätter. Die Kamera wird gezückt, um die Pflanze, deren Samen zur Gewinnung von pflegendem Öl verwendet werden, abzulichten.

„Wir sind aus Gelsenkirchen nach Hattingen gezogen“, schildert Anja Gigla, während sie die letzte Aufnahme begutachtet. „Im Garten sind so viele wilde Pflanzen, bei denen wir unsicher waren, was das ist. Deswegen mache ich Fotos, damit ich diese mit den Gewächsen in unserem Garten vergleichen kann und weiß, welche ich besser stehen lasse.“