Pendeln zwischen zwei Welten
05.03.2010 | 14:20 Uhr 2010-03-05T14:20:00+0100
Alina Bronsky lässt bei Lesung aus ihrem Debüt-Roman „Scherbenpark” ihre Heldin für sich sprechen.
Sascha Naimann hat zwei Träume: Vadim töten. Und ein Buch über ihre Mutter schreiben. Sascha ist 17 Jahre alt, Russland-Deutsche und die Protagonistin in Alina Bronskys Debüt-Roman „Scherbenpark”. Stadtbibliothek und VHS hatten die Autorin zu einer Lesung eingeladen – im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchwoche und zu Literatur im Carré.
Eine gute Entscheidung, wie sich Donnerstagabend zeigt: Das Publikum besteht aus einer Mischung aus Jugendlichen und Erwachsenen, die die Geschichte der Romanheldin hören möchten.
Aus der Ich-Perspektive erzählt die junge Russland-Deutsche aus ihrem sowieso schon nicht leichten Leben, das noch dadurch erschüttert wird, dass ihr gewalttätiger Stiefvater Vadim ihre Mutter tötet. Nun träumt Sascha, allein mit zwei kleinen Geschwistern, also von Rache. Und findet das besser, als überhaupt keine richtigen Träume zu haben. So wie ihre Nachbarn aus dem Hochhaus-Ghetto, in dem sie wohnt. Da ist zum Beispiel Anna, die davon träumt einmal reich zu heiraten. Oder der Nachbarsjunge, dessen Lebensziel darin besteht „eine echte Blondine mit dunklen Augen” zu finden.
So beginnt Saschas Geschichte. Und sie geht weiter mit Großtante Maria, die aus Sibirien gekommen ist, um sich der drei Kinder anzunehmen und die nach jedem Einkauf bei Aldi in Schweiß gebadet ist, weil die deutsche Sprache ihr Probleme bereitet. Schwierigkeiten dieser Art sind der Protagonistin fremd: Sie ist hochbegabt und besucht deshalb ein Elite-Gymnasium. Und so wechselt sie in ihrem Alltag ständig zwischen zwei Welten hin und her – zwischen Schulbüchern und dem Abreißkalender für die orthodoxe Hausfrau, zwischen den blank polierten Möbeln ihrer Mitschülerinnen und dem Uringeruch im eigenen Hausflur.
Alina Bronsky liest mit ruhiger Stimme, zwingt dem Publikum durch ihren Tonfall weder Lacher noch Betroffenheit auf. Lieber lässt sie die Worte ihrer Heldin für sich sprechen: direkt, zynisch und voll trockenem Humor. So bemerkt sie etwa: „Anna behauptet, es gibt auch nette Männer, die kochen, Geschenke machen, Urlaube buchen und vielleicht sogar gut aussehen. Persönlich bekannt ist ihr keiner”.
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