Opelaner wird Gastronom

Frank Heinzinger ist Ex-Opelaner und hat nun die Gaststätte an der Grünstraße gepachtet.
Frank Heinzinger ist Ex-Opelaner und hat nun die Gaststätte an der Grünstraße gepachtet.
Foto: FotoPool
Was wir bereits wissen
Frank Heinzinger hat 29 Jahre bei Opel gearbeitet, bis seine Stelle gestrichen wurde. In diesem Jahr machte er sich mit der Südstadt-Schänke selbstständig

Hattingen..  Für Frank Heinzinger (52) ist das vergangene Jahr eines des Neuanfangs – und des Abschieds. 29 Jahre lang hatte Opel das Leben des Hattingers begleitet. 29 Jahr arbeitete er im Bochumer Werk. Doch noch bevor der letzte Opel am 5. Dezember vom Band rollte, hat für ihn ein neues Leben begonnen – als Wirt der Südstadt-Schänke.

„Der Einstieg war sehr gut. Da war ich positiv überrascht. Jetzt läuft es am Wochenende sehr gut. Unter der Woche könnte es mehr sein“, sagt Heinzinger über seine Anfänge als Wirt. Im Juni hat er seinen Laden an der Grünstraße eröffnet. Da hatte er bereits ein Jahr in einer Transfergesellschaft hinter sich. „Da habe ich zwei Monate lang einen Existenzgründer-Lehrgang besucht“, erinnert er sich.

Bei Opel gab es für den Reparaturschlosser in der Wagenendmontage schon im Jahr 2012 keine Zukunft mehr. Das Unternehmen hatte seinen Aufgabenbereich ausgelagert, die Stellen gestrichen. „Ich hätte die Möglichkeit gehabt, nach Rüsselsheim zu gehen – für drei Monate oder sechs oder vielleicht auch länger“, so Heinzinger. Doch das kam für ihn nicht in Frage.

Als nun im Dezember der letzte Opel in Bochum gebaut wurde, blickte der gebürtige Hattinger bedrückt auf die Fernsehbilder. „Es ist eine traurige Geschichte. Das kann keiner begreifen. Denn die Qualität ist gut, der Absatz hoch.“ Doch angekündigt hatte sich das Ende lange. Schon 2010 gab es drastische Kurzarbeit: „Wir waren Monate lang gar nicht im Betrieb.“ Auch die letzten zwei Jahre sei es „schlimm“, der Krankenstand sehr hoch gewesen. „Ich konnte gar nicht mehr ordentlich schlafen“, so Heinzinger über die Belastungen.

Und dann war es vorbei. Nach 29 Jahren. „Ich habe immer damit gerechnet, dass ich noch vier, fünf Jahr mache und dann in Vorruhestand gehe“, beschreibt der 52-Jährige seine Pläne. Daraus wurde nichts. Jetzt hat er ganz neu angefangen. Dabei hatte Frank Heinzinger vorher nie Bezüge zur Gastronomie. Aber den Verpächter des ehemaligen Rosmarin kannte er gut. Und er beschloss, es zu versuchen. Auch seine Frau Heike war anfangs begeistert: „Aber dann hatte sie doch Panik“, sagt er. Jetzt führen beide zusammen den Laden.

„Die ersten Monate hatten wir sieben Tage die Woche auf. Wir wollten den Sommer noch mitnehmen.“ Inzwischen bleibt die Südstadt-Schänke mittwochs zu. „Im Winter ist es eine Kostenfrage, ob wir durchgehend öffnen, und für Licht und Heizung zahlen“, so das Ehepaar. Für die Küche hat es sich Unterstützung von einem Koch geholt. Auf der Karte stehen Schnitzel und Kleinigkeiten, immer wieder gibt es Spezial-Angebote.

„In der Gastronomie ist es nicht einfach. Das ist ein sehr hohes Risiko“, weiß Heinzinger. Immerhin konnte er mit Manni Breuckmann schon einen Promi im Lokal begrüßen. „Mein Plan ist, noch zehn Jahre durchzuhalten“, sagt Heinzinger. Denn: Die Opel-Rente, die wird er noch bekommen.