Onlinedienst für Bestatter in Hattingen im Test

Bestattungstermine im Internet: Die Stadt startet ein Pilotprojekt mit den Bestattungsunternehmen, um die Terminvergabe zu vereinfachen.
Bestattungstermine im Internet: Die Stadt startet ein Pilotprojekt mit den Bestattungsunternehmen, um die Terminvergabe zu vereinfachen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt Hattingen erprobt Online-Reservierungen von Bestattungszeiten. Das soll die Koordinierung vereinfachen. Die Bestatter beklagen indes doppelten Aufwand.

Hattingen..  Am Dienstag stellte die Stadt ein System vor, mit dem Bestattungsunternehmen über das Internet Bestattungszeiten auf den Friedhöfen reservieren können. Die WAZ berichtete in der Mittwoch-Ausgabe darüber. Die neue Internet-Reservierung soll zum Mittwoch, 1. April, an den Start gehen. Das Vorhaben sorgt aber jetzt schon für Unmut bei einigen Bestattern.

Der Reihe nach: Bis zum Jahr 2013 waren die Friedhofsgärtner bei der Stadt beschäftigt – im April 2013 wurde diese Aufgabe einer Fremdfirma übertragen. Bis dahin waren die Friedhofsgärtner für Reservierungen von Bestattungszeiten telefonisch zu erreichen – auch am späten Abend oder am Wochenende. „Das war natürlich sehr praktisch“, sagt Bestattungsunternehmerin Thekla Schwiese. Von den Friedhofsgärtnern ist nur einer weiterhin bei der Stadt beschäftigt. Der ist für die Terminkoordinierung zuständig und nur zu den üblichen Bürozeiten erreichbar – für den Nachmittag und den Abend musste eine andere Lösung her. „Die Stadt führte eine Zettelwirtschaft ein“, erzählt Schwiese.

An einem Schwarzen Brett hängt ein Plan, in den die Bestatter ihre Wunschzeiten eintragen. Dafür müssen sie allerdings zum Friedhof nach Welper fahren. Zumindest sind alle Bestattungsunternehmen mit Schlüssel ausgestattet und haben jederzeit Zugang zum Plan. Am folgenden Werktag müssen die Termine telefonisch bestätigt werden.

Doppelbelastung

Problematisch sei dies besonders dann, wenn mehrere Tage zwischen Reservierung und verbindlicher Bestätigung lägen – über die Ostertage zum Beispiel. „Ich muss schließlich Totenbriefe schreiben, Blumen bestellen, Anzeigen schalten und einen Pfarrer organisieren“, sagt Schwiese. All das könne über die Feiertage sowieso nicht erledigt werden, sagt Stadtsprecherin Susanne Wegemann. Die Fahrerei zum Friedhof in Welper könne durch das Online-Angebot eingespart werden. „Es gibt erst mal keine Verschlechterung“, so Wegemann.

Einige Bestatter sehen aber eine Doppelbelastung: Denn während der Erprobungsphase im April müssten Reservierungen immer auch parallel auf Papier eingetragen werden. „Wenn das später funktioniert, wäre es schon eine Erleichterung“, sagt Peter Neumann vom Bestattungsunternehmen Stratmann. Auch Heinz Raguse ist gespannt, wie die Testphase anlaufen wird. „Noch haben wir nichts erhalten“, sagt er. Nach der Testphase komme eine Auswertung – die Unternehmen werden zum Gespräch geladen. Langfristig soll die Reservierung nur noch im Internet möglich sein. Dann aber auch verbindlich, so Wegemann. Online könnten keine zeitgleichen Bestattungstermine für die verschiedenen Friedhöfe eingetragen werden, beklagt Bestatterin Schwiese. Das sei personell sowieso nicht mehr leistbar, so Wegemann.