Nur wenige kennen die eigene Blutgruppe

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Was wir bereits wissen
Am Sonntag ist Weltblutspendetag. Wie wichtig die Blutspende ist, erklären Hattinger Ärzte. Eine Untersuchung des Blutes ist auch beim Hausarzt möglich.

Hattingen..  Der Weltblutspendetag erinnert am Sonntag, 14. Juni, an den Entdecker der Blutgruppen, Karl Landsteiner, der an diesem Tag geboren wurde, und an die Wichtigkeit der Blutspende. Doch die Frage nach der eigenen Blutgruppe löst bei den meisten Menschen Ratlosigkeit aus. Dabei kann die Kenntnis darüber unter Umständen lebensrettend sein.

„Wenn jemand seine Blutgruppe kennt, heißt das, dass er sich mit dem Thema Blutspende auseinandergesetzt oder schon mal selbst gespendet hat“, weiß Dr. Helfried Waleczek, Chefarzt der Klinik für Gefäß-, Unfall- und Viszeral-Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus. Denn im Blutspenderausweis wird die Blutgruppe festgehalten. Dass die meisten nicht Bescheid wissen, zeigt, weshalb die Blutspendedienste immer wieder um Spender werben müssen. „Blut ist ein Mangelprodukt, vor allem das heiß begehrte Universalblut. Dieser Mangel führt dazu, dass immer wieder Operationen verschoben werden müssen“, erklärt Waleczek. Gerade die aktuelle Jahreszeit sei aufgrund von Urlaubsverletzungen und Motorradunfällen eine besonders transfusionslastige Zeit.

Universalblut hilft im Notfall

Die Kenntnis über die eigene Blutgruppe kann auch im Falle des raschen Blutverlusts von Bedeutung sein, sei es als Unfallopfer oder aber auch als aktiver Helfer. „Im äußersten Notfall, wenn es um Sekunden geht, kann es ein Vorteil sein, wenn der Blutspendepass vorliegt“, erklärt Prof. Andreas Tromm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am EvK. „Für diesen Fall gibt es aber auch eine Blutgruppe, die ungeachtet des eigenen Bluttyps auf jeden Fall passt“, verrät Waleczek. „Dieses Universalblut hat allerdings den Nachteil, dass es zu Unverträglichkeiten und schweren körperlichen Abwehrreaktionen führen kann“, relativiert Tromm.

Vor einer Operation könne die Blutgruppe heutzutage innerhalb weniger Minuten ermittelt werden, weiß Tromm. Er selbst habe seine Blutgruppe übrigens durch den damals üblichen Zivildienst-Bluttest erfahren.

Neben Blutspendern, die über den Blutspendedienst West einen persönlichen Blutspendepass erhalten, werden auch Mütter in der Regel über ihre Blutgruppe informiert. So erhält heute jede werdende Mutter einen Mutterpass, der auch über die Blutgruppe Auskunft gibt. Hintergrund des verpflichtenden Tests ist die Verbeugung vor möglichen Komplikationen und Kindeserkrankungen. Problematisch kann die Konstellation bei einer Mutter mit negativer und einem Vater mit positiver Blutgruppe sein.

Für Blutspendewillige, deren Blut aufgrund von Erkrankungen, durch Untergewicht bedingte Blutarmut oder wegen Leberschäden nicht für eine Transfusion genutzt werden kann, gibt es Alternativwege, die Blutgruppe zu erfahren. „Man kann sein Blut auch beim Hausarzt untersuchen lassen“, erklärt Waleczek. Dieser Service werde jedoch in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.

In manchen Ländern steht die Blutgruppe übrigens auf dem Personalausweis – zum Beispiel in Rumänien. In Japan ist man sogar davon überzeugt, dass die Blutgruppe ein wesentlicher Faktor für die Persönlichkeit ist. So verbindet man das Blut dort nicht nur mit bestimmten Charaktereigenschaften, sondern glaubt dort sogar an einen Einfluss auf die Wahl des Partners oder sogar die Vorliebe für bestimmte Politiker.