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Nur informierte Mieter wehren sich

14.02.2016 | 20:00 Uhr
Nur informierte Mieter wehren sich
Sercin Klumpp (28, Sekretärin) und Rainer Klatt (58, Rechtsberater).Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.  Beratungsstelle des Mietervereins Bochum, Hattingen und Umgegend ist gut ausgelastet. Der Verein verzeichnet entgegen dem Trend einen Zulauf.

„Nur der informierte Mieter kommt auf die Idee, dass er nicht alles schlucken muss“, sagt Aichard Hoffmann (57), Sprecher des Mietervereins Bochum, Hattingen und Umgegend e.V. Und darum publizierte sein Verein bereits 36 Infozettel, kostenlos erhältlich, zu mietrechtlichen Themen. „Das machen viele andere Vereine nicht, weil sie denken, dass die Menschen dann nicht mehr in die Beratung kommen. Aber im Internet ist eh alles zu finden – und dann sollen sie es lieber bei uns auf der Homepage finden“, argumentiert Hoffmann.

Einst begann die Beratung in einer Kneipe in der Grünstraße, setzte sich in der Realschule fort. Das erste Büro war in der Schulstraße – 20 Jahre lang, im September 1986 ging es zur Bahnhofstraße. Heute hat es der Mieterverein Bochum, Hattingen und Umgegend e.V. zu einer eigenen Geschäftsstelle gebracht. Hier helfen Sekretärin Serçin Klumpp (28) und Rechtsberater Rainer Klatt (58) den Rat Suchenden weiter. Nicht selten sind diese sehr aufgebracht, und „viele kommen auch einfach zu spät“, so die Erfahrung des Rechtsberaters. Zu spät kommen sie, wenn sie bei einem Eigentümerwechsel einen neuen Mietvertrag unterschrieben hatten – und dann jetzt feststellen, dass die Nebenkosten enorm gestiegen sind. „Man muss keinen neuen Vertrag unterzeichnen“, mahnt Hoffmann. Zu spät kommen sie auch, wenn Fristen bereits verstrichen sind. Meistens aber kann der Verein helfen, übernimmt sämtliche Korrespondenz fürs Mitglied.

Hoffmann merkt an, dass in Hattingen entgegen dem allgemeinen Trend die Mitgliederzahlen konstant bleiben, gar gestiegen sind. Der Grund für den allgemein rückläufigen Trend: „Der Wohnungsmarkt hat sich entspannt. Mieter werden eher wieder zu hofierten Kunden“, glaubt Hoffmann.

Der Beratungsschwerpunkt hat sich im Laufe der Jahre geändert. Eigenbedarfskündigungen spielen kaum noch eine Rolle, Nebenkostenabrechnungen dafür eine umso größere. 45 Prozent der Gespräche drehen sich darum. Ungerecht behandelt fühlen sich Mieter teils, weil eine früher von zwei Personen bewohnte Einheit plötzlich von viel mehr Menschen genutzt wird – und sich die Nebenkosten für alle drastisch erhöhen, weil nach Quadratmeter- und nicht nach Personenzahl abgerechnet wird. Nachbarstreitigkeiten übernimmt der Verein nicht. „Wir bieten aber eine Mediation an“, so Hoffmann.

Doch nicht nur rechtlich, auch politisch wird der Verein aktiv. „Wir unterstützen Mieterinitiativen. Wir versuchen, Initiativen durch Treffen zu initiieren, wenn wir sehen, dass es irgendwo geballt Probleme gibt“, erklärt Hoffmann. Der Verein kümmert sich nicht nur um Rechtsfragen, sondern wird auch politisch aktiv. „Wenn Gärten von Mietern durch Bebauung nachverdichtet werden sollen und juristisch kein Hebel anzusetzen ist, versuchen wir, über den Bebauungsplan etwas zu erreichen“, nennt Hoffmann ein Beispiel.

Auf Einladung halten die Experten Vorträge. Vierteljährlich erscheint die kostenlose Mitgliederzeitung Mieterforum, die in Hattingen vielerorts ausliegt. Der Verein arbeitet am Mietspiegel mit. Die Beratungsstelle ist gut ausgelastet. Und doch weiß Hoffmann um ein Dilemma: „Geht’s den Mietern gut, geht’s dem Mieterverein schlecht“.

Liliane Zuuring

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2016-02-14 20:00
Hattingen