Nur die Meißel müssen warm sein
09.02.2012 | 17:22 Uhr 2012-02-09T17:22:00+0100
Sprockhövel. Zeit ist Geld und die Arbeit macht sich nicht von alleine. Steinbildhauer Henner Gräf schiebt auch bei Minustemperaturen auf seinem Gelände auf dem Sirrenberg keine ruhige Kugel.
Zeit ist Geld und die Arbeit macht sich nicht von alleine. Steinbildhauer Henner Gräf schiebt auch bei Minustemperaturen auf seinem Gelände auf dem Sirrenberg keine ruhige Kugel.
Während die einen bei zweistelligen Minusgraden bibbern, meint der Steinbildhauer gelassen, in dieser Woche sei das Wetter doch gar nicht so schlecht gewesen. Hauptsache sei, es bleibe trocken. ganz wichtig: „Ich brauche immer einen Eimer heißen Tee“.
„Mit den Auftragseingängen für dieses Jahr sieht’s glücklicherweise gut aus. Darüber bin ich sehr froh, denn das kann nicht jeder in der Branche sagen“, erklärt Henner Gräf mit geröteter Nase und roten Ohrenspitzen schmunzelnd beim Besuch in seiner Freiluftwerkstatt.
„Ich halte es bei der Kleidung mit dem Zwiebelmuster, mehrere Schichten übereinander, Schuhe, in die die Kälte nicht eindringen kann – und dann geht das schon. Man muss ja auch bedenken, dass man sich in unserem Beruf viel bewegt und Kraft aufwendet. Da wird einem schon recht schnell warm, und nicht nur ums Herz.“
Aber eines wird einem als Laien, der mit der Materie nicht vertraut ist, auch schnell klar. „Mit den Meißeln ist das so eine Sache. Das eiskalte Metall muss vor dem Gebrauch erst einmal angeheizt werden, sonst droht Gefrierbrand“, sagt der Handwerker. Wenn es um grobe Arbeiten gehe, könne man Handschuhe benutzen, bei Feinarbeiten brauche man Gefühl für Stein, Meißel und Hammer. Zur Bearbeitung kleinerer Objekte zieht sich Gräf unter einen Unterstand zurück. Hier sorgt dann auch ein Heizstrahler für die geeignete Betriebstemperatur.
Henner Gräf nutzt die Winterzeit auch dazu, Entwürfe für bestellte Grabsteine, Brunnen und Skulpturen anzufertigen. Gerade entwirft er einen Grabstein für eine Kundin in Aachen. Der Stein soll in der Mitte einen Kohleeinschluss haben. So ein Rohmaterial zu finden, sei gar nicht einfach. „Auch eine Bestellung aus unserem Dorf liegt vor“.
Eine andere Kundin aus München sei im Internet auf ihn aufmerksam geworden. Mit der habe er sich in Würzburg getroffen, um Material und Formgebung abzuklären. Mit kleineren Kunstobjekten ist Gräf zudem Mitte März in Lübbede vertreten. Fünf Exponaten präsentiert er in einer Ausstellung.
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