NPD-Nähe auf dem Weihnachtsmarkt
19.12.2011 | 17:01 Uhr 2011-12-19T17:01:00+0100
Hattingen. Süßwarenstand-Inhaber aus Witten kandidierte für die Partei und verkauft Süßes auf der oberen Heggerstraße.
Bunte Bonbons, Lakritz und Weingummi locken Weihnachtsmarktbesucher auf der oberen Heggerstraße an den Stand der Süßwaren-Firma Osella aus Witten-Annen. Doch der süße Stand auf der Heggerstraße sorgt für einen bitteren Nachgeschmack, denn Inhaber Detlef Hartmann hat eine NPD-Vergangenheit. Der 52-jährige Hartmann trat bei der Bundestagswahl 2009 als Direktkandidat der NPD im Wahlkreis Solingen/Remscheid/Wuppertal II an und holte 1,5 Prozent. Zudem soll Hartmann im Juni 2011 sein Firmengelände für ein Sommerfest der NPD zur Verfügung gestellt haben.
„Wir sind darüber genauso überrascht wie die gesamte Öffentlichkeit“, erklärt Georg Hartmann vom Stadtmarketingverein. Zwar sei das Stadtmarketing für den Weihnachtsmarkt und seine Händler verantwortlich, aber: „Wir wussten nichts über Hartmanns Vergangenheit, schließlich interessieren wir uns nicht für die politische Gesinnung der Markthändler.“
Stadtsprecherin Susanne Wegemann bestätigt Hartmann: „Wir können im Vorfeld die politischen Hintergründe der Standbetreiber nicht prüfen“, sagt sie.
Bis zum Ende des Weihnachtsmarktes am Donnerstag habe Detlef Hartmann mit seinem Süßwarenstand noch einen bestehenden Vertrag, beschreibt Stadtmarketing-Chef Georg Hartmann die Situation und erklärt: „Für die Zukunft werden wir eine Lösung suchen – wie diese aussehen wird, dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.“
Detlef Hartmann selbst sieht im negativen Interesse an seiner Person eine Aktion der Konkurrenz: „Es war doch 2009 schon bekannt, dass ich kandidiert habe, warum startet diese Aktion erst 2011?“ Auf Nachfrage der Hattinger Zeitung erklärt der 52-Jährige: „Ich habe 2009 aus einem Gefallen für einen Bekannten heraus kandidiert, bin aber nie an einem Stand oder auf einer Wahlkampfveranstaltung gewesen, auch nicht auf Demos.“ Hartmann bestätigt zudem, sein Grundstück für ein Sommerfest an die NPD vermietet zu haben. „Ich war positiv überrascht“, berichtet der Osella-Inhaber, „das waren durchweg angenehme Leute, Familien mit Kindern.“
„Absolut unpolitisch“
Er selbst sei „absolut unpolitisch“, betont Detlef Hartmann und fügt hinzu: „Ich habe in den vergangenen Jahren circa 100 Mitarbeiter beschäftigt, die Ausländer gewesen sind – auch auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt.“ Eine mögliche Ausländerfeindlichkeit im Zusammenhang mit den Anschuldigungen einer NPD-Nähe könne ihm daher nicht vorgeworfen werden.
Zur Partei sagt Hartmann, dass die NPD nicht verboten sei: „Sollte sich aber herausstellen, wie es aktuell in den Medien erscheint, dass sie an Straftaten bteiligt gewesen ist – was aber nicht bewiesen ist – bin ich auch für ein Verbot.“