Notrufe wegen magerer Stute in Hattingen alamieren Amtstierärzte
15.02.2011 | 16:06 Uhr 2011-02-15T16:06:00+0100
Hattingen. Amtstierärzte haben die Haltung einer mageren Stute in Hattingen überprüft. Das dünne Pferd steht in Elfringhausen allein im Grünen. Der Fall ist grenzwertig.
Nicki grast friedlich auf der Weide. Ihr struppiges Winterfell ist voll Erde, weil die Stute sich gewälzt hat. Dünn ist das Pferd, das in Elfringhausen allein im Grünen steht. Von der ganzen Aufregung um sie bekommt sie nichts mit. Beim Veterinäramt gingen Anzeigen von Menschen ein, die Mitleid mit Nicki haben.
Huforthopäde Kai Gehring ist entsetzt: „Ein Trauerspiel.“ Der Stall, in dem Nicki nachts und bei schlechtem Wetter steht, sei verrottet, voll stinkendem Mist. Das wundert den Halter (Name der Redaktion bekannt), dem das Pferd seit 27 Jahren gehört. Die Stute huste ab und zu. Hufrehe, eine entzündliche Erkrankung, sind mal ausgebrochen. „Sonst ist sie fit.“ Seine Tochter ist früher Turniere mit Nicki geritten: „Sie gehört zur Familie.“ Nun wohnt die aber nicht mehr in Hattingen. Sie haben Stefan Saloge (28) beauftragt, sich um ihren Hof und Nicki zu kümmern und den Stall zu misten: „Ich füttere sie täglich und stelle sie auf die Wiese.“ Die Tierärztin vom Veterinäramt war bei Nicki. „Die ist mit 30 Jahren sehr alt“, nennt Amtstierarzt Dr. Peter Richter als Grund für den Zustand. Sie sei extrem mager und sehe aus wie ein krankes Fohlen. Er habe Kontakt zum Besitzer und der behandelnden Tierärztin. Das Blut des Pferdes sei untersucht worden, die Werte seien in Ordnung. „Der Fall ist grenzwertig“, gesteht Richter. Die Alternative sei es, das Tier einzuschläfern. Dagegen spricht: „Das Pferd steht und frisst.“ Nicki leide nicht.
Keine Haltungsverordnung bei Pferden
Allerdings lebt sie als Herdentier ohne Artgenossen, obwohl sich der Halter vorstellen könnte, dass jemand eins dazustellt. „Es gibt für Pferde keine Haltungsverordnung wie für Hunde oder Schweine“, sagt Richter. Würde man da etwas ändern wollen, müsste man bei allen allein gehaltenen Wellensittichen, Kaninchen und Meerschweinchen eingreifen. Da sei Einzelhaltung auch nicht artgerecht und in der Schweiz und Österreich beispielsweise per Gesetz verboten. „Hamster gehören als nachtaktive Tiere auch nicht in Kinderhände“, sagt Richter.
Bei allen Anzeigen rücken die Amtsveterinäre aus. Gibt es einen Arzt, der das jeweilige Tier betreut, dann hat dessen Einschätzung „hohe Bedeutung“. Stimmen sie nicht überein, ist ein Gutachter gefragt.
Amtsveterinär kann allein entscheiden
Seit rund zehn Jahren entscheiden Amtsveterinäre laut Tierschutzgesetz, ob ein Tier beim Halter bleibt – ohne richterlichen Beschluss. Mehrere hundert Tiere nehmen sie den Haltern EN-Kreis jährlich ab. Die Tierärzte reagieren sofort, wenn ein Pferd mit Wunden übersät ist. Es wird auf Kosten des Eigentümers untergestellt. Kann der die nicht tragen, übernimmt es die Allgemeinheit. Das Veterinäramt hat die Möglichkeit, das Tier zu veräußern. Hunde oder Katzen kommen in Tierheime oder auf Pflegestellen, die sich um die Vermittlung kümmern. In Fällen, in denen die Veterinäre das Tier nicht gleich mitnehmen müssen, bekommt der Halter Gelegenheit, schlechte Zustände abzuschaffen.
Die Hemmschwelle, diese beim Veterinäramt anzuzeigen, sei gering: „Bei Tieren wird genau hingeschaut.“ So schätzt Peter Richter die Zahl der Fälle, bei denen „nichts dran“ ist, auf 60 Prozent. Mitunter stecken hinter den Hinweisen zwischenmenschliche Probleme wie Nachbarschaftsstreit. Regelmäßig sei es aber so, dass die Veterinäre bei der Überprüfung von Kleintierhaltung in Haushalten feststellen, dass dort auch das Jugendamt gefragt ist, sagt Richter.
Weidezäune und Boxengröße
Nicki wollen die Veterinäre im Auge behalten, auch was die Haltung betrifft. Um sich bei Nachkontrollen zu überzeugen, dass der Stall gemistet ist und Nicki auf sauberem Stroh steht.
Bei Pferdehaltung reagieren die Amtsveterinäre, wenn das Tier in schlechter Stallluft oder im saftigen Mist steht. Beanstandet wird auch die Weidehaltung hinter Stacheldraht. Ist die Wiese mit ihm umzäunt, muss eine gut sichtbare Litze davor angebracht sein, sagt Peter Richter. Bei der Größe von Pferdeboxen gilt: doppelte Widerristhöhe zum Quadrat. Ist ein Pferd am Widerrist (Stelle am Übergang von Hals zum Rücken) 1,70 m groß, muss die Box 3,40 x 3,40 m sein.
13:09
Ich muss von zauberlehrer Recht geben, viele Kinder sehen auch ausgehungert aus und manches Kinderzimmer ist kleiner als 3,40 x 3,40m. Gibt es da auch jemanden der sofort einschreitet? Tierschutz in allen Ehren, aber in unserer Gesellschaft ist es augenscheinlich einfacher bei Tieren die grosse Welle zu machen als bei Kindern,oder alten Menschen.
18:48
Kommentare:
Alles verständlich soweit, aber sollte man deswegen nun wegschauen???
Hier verhungert offensichtlich ein altes Pferd durch Zahnprobleme und nicht artgerechte Haltung ganz langsam. Leider kann es weder Schreien noch Jammern - dies würde es nämlich unentwegt tun!
Es erfordert von Außenstehenden aber wohl etwas weniger Mut, hier öffentlich vorzugehen, das ist wohl wahr. Aber ist das negativ auszulegen?? Sicher nicht!
Und, nicht zu vergessen: Es ist im Veterinärbereich oft die einzige Möglichkeit, über diesen Weg Druck auszuüben.
Denn:
Dem Veterinär sind die Hände gebunden. Unsäglich...!
16:15
Was sind wir für eine Gesellschaft? Für ein Pferd
ein ellenlanger Bericht.Wenn es um Kinder geht,
vielleicht zwei Zeilen........! Es ist Beschäment !
13:12
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21:44
Hoffentlich greift das Jugenamt such mal bei verwahrlosten Kindern so durch . Vor allem die Nachbarschaft :