„Notfall-Oma“ hilft in der Kita aus

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Auch drei Mütter sorgen in der dritten Streikwoche in der städtischen Einrichtung Oberwinzerfeld erstmals selbst für die Betreuung von 14 Kindern.

Hattingen..  Den ersten Tag in der Kita haben sie überstanden: drei Mütter und eine „Notfall-Oma“, die wegen des Erzieherinnen-Streiks einen Notbetrieb auf die Beine gestellt haben. Heute folgt der zweite Streich.

„Ich bin platt“, sagt Edith Weber an Tag eins in der Kita Oberwinzerfeld. „Das war ganz schön anstrengend.“ In der städtischen Kindertageseinrichtung ist am Mittwoch eine neue Zeit angebrochen. Weil die Erzieherinnen in der dritten Woche streiken, Eltern aber arbeiten müssen und ihre Kinder spielen wollen, haben Mütter und Väter an der Wagnerstraße das Zepter übernommen. Die 66-jährige Edith Weber unterstützt sie als „Notfalloma“, die sich am Mittwoch um insgesamt 14 Kinder in der städtischen Einrichtung kümmerte.

Nach dem Einsatz in den Urlaub

Normalerweise reist Edith Weber aus dem Saarland nach Hattingen zu Sohn und Schwiegertochter, um Spaß mit ihren beiden Enkeln zu haben und Zeit mit ihnen zu verbringen. Am Mittwoch versorgte sie nicht nur die Kinder ihrer Kinder, sondern die anderen Jungen und Mädchen in der Tagesstätte gleich mit.

Wie berichtet, hatte eine Gruppe von Eltern mit ihrem Nachwuchs am Dienstag spontan die Bürgermeisterin besucht. Die hatte nicht nur vollstes Verständnis für die Sorgen und Nöte der arbeitenden Eltern, die der lange Streik an ihre Grenzen bringt. Sie gestattete den Erziehungsberechtigten, sich den Schüssel für die geschlossene Kita aushändigen zu lassen. Für die Kita Oberwinzerfeld griff eine Mutter spontan zu.

Spontan erweiterte auch Edith Weber ihr Betätigungsfeld. Sohn und Tochter, die beide in kaufmännischen Berufen arbeiten, brauchten ihre Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Die 66-Jährige weiß, was es bedeutet, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie hat selbst drei Kinder großgezogen, darunter Sohn Stefan, der ihre Hilfe ebenso benötigte wie Schwiegertochter Sandra.

Ihr Sohn arbeitet Vollzeit, die Schwiegertochter zwischen 7 und 13 Uhr, so dass die Eltern keinen Dienst in der Kita schieben konnten, die Oma aber auch dringend für die Beaufsichtigung der Enkel brauchten.

Die bekamen dann nicht nur Rafael (4) und Moritz (7). Edith Weber spielte auch gleich mit den anderen Kindern in der Kita. Und lernte am eigenen Leib kennen, „wie anstrengend der Beruf der Erzieherin ist. Ich brauchte die Kinder ja nicht zu erziehen, sondern habe mit ihnen gespielt, aufgepasst, dass nichts passiert, dass die Toiletten und Waschbecken sauber sind. Und mittags bekamen die Kinder etwas zu essen. Das hat funktioniert“, sagt die „Notfall-Oma“ mit Blick auf die 14 betreuten Kinder. Sie bezweifelt allerdings, dass es immer noch funktioniert, falls doppelt so viele Kinder kommen sollten.

Bis einschließlich Freitag hilft Edith Weber gern aus in der Kita ihres Enkels. Dann muss und will sie zurück, um mit ihrem Mann in den Urlaub zu fahren.