Nicht erlaubt, nicht verboten
19.07.2010 | 14:59 Uhr 2010-07-19T14:59:00+0200
Hattingen. Wer die Ruhr als Alternative zum Freibad testen will, sollte vorsichtig sein. Erfrischend ist sie allemal.
Lange Gesichter am zweiten Juliwochenende: Die Tore des Freibades in Welper blieben zu, eine Erklärung der Stadtwerke gab es zunächst nicht. Enttäuscht zogen die Besucher wieder ab. Auf die ersehnte Abkühlung mussten sie verzichten – oder sich nach einer Alternative umsehen. Wer sich für ein Bad in der Ruhr entschied, sparte sogar noch Geld.
Das Wasser ist durch die seit Wochen andauernde Hitze angenehm temperiert, aber nicht zu warm, und durch die geringen Niederschläge auch gar nicht tief. Richtig einladend, könnte man meinen. Erlaubt ist das Baden im Fluss allerdings nicht – strikt verboten aber auch nicht unbedingt. Zumindest wartet keine Strafe auf denjenigen, der sich die kostenlose Abkühlung gönnt. Nicht vom Ruhrverband, der über die Ruhr wacht, nicht vom Ordnungsamt, und auch nicht von der Polizei. Sprecher Dietmar Trust: „Das Baden in der Ruhr ist keine Straftat. Aber wenn wir jemanden in einem besonders gefährlichen Bereich sehen, etwa in der Nähe des Wehres, dann bitten wir ihn schon aus dem Wasser heraus.”
Fakt ist, dass die Ruhr die hygienischen Richtlinien (gemaß der EG Badegewässerrichtlinie von 2006) nicht erfüllt. „Aus den Kläranlagen können Darmbakterien ins Gewässer fließen”, teilt Britta Balt vom Ruhrverband mit. Die wiederum fügen Menschen mit einem gesunden Immunsystem nicht zwingend Schaden zu. Britta Balt: „Auch die Buhnen sind tückisch. Besonders am Buhnenende können Strömungen auftreten, die vom Ufer aus nicht unbedingt zu sehen sind.” Vorsicht ist nach starken Regengüssen geboten. Sie überfordern die Kanalisation, dadurch fließen nicht nur Regen, sondern auch Abwässer der Ruhr zu.
Jedermanns Sache ist das Ruhrbad übrigens auch nicht. Am Ufer rund um den toten Arm stört der tiefe Schlamm, in dem man versinkt, sobald man sich wenige Meter vom Ufer entfernt hat. Der Flussgrund ist nicht zu sehen. Man weiß also nicht, wo man hintritt, und sieht auch nicht, ob gerade mal wieder ein Krokodil unterwegs ist. Spass beiseite: Tief ist das Wasser nicht. Vor allem nicht im Sommer. Am vergangenen Montag (9 Uhr) wurden an der Eisenbahnbrücke 1,10 Meter Wassertiefe gemessen. Wer es seichter mag: Alternativ die Beine im Wasser baumeln zu lassen ist ebenfalls erfrischend.
17:38
Lieber Lars Friedrich,
das ist die neue journalistische Qualität aus der Manufaktur WAZ!
17:29
ich sag es mal so schon in den 80zigern waren wir unten bei stolle baden es war immer klasse ...klar vom wehr sollte man sich fern halten.... damals war die ruhe durch die hütte noch fiel dreckiger aber spass machte es trozdem... vor kurzen fand ich sogar muscheln zwar nicht besonders große aber immerhin
16:40
Mein Schulkamerad Udo M. ist bei einem Bad in der Ruhr vor vielen Jahren ums Leben gekommen, da er die Kraft der Strudel an den Buhnenköpfen unterschätzt hat. Ich finde es nicht OK, dass eine Familienzeitung (trotz Hinweis auf die Gefahren) ein Bad in der Ruhr dennoch als Ferientipp anbietet.
15:50
...und sieht auch nicht, ob gerade mal wieder ein Krokodil unterwegs ist.
Die Spezialität der WAZ: Kroko in Ruhr.
Bitte nicht wieder. Wir Leser haben den Kaiman nochnicht vergessen. Eine Entschuldigung der Chefredaktion für diese Chuzpe steht immer noch aus!