Neun Schüler ohne Abschluss

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Was wir bereits wissen
Deutlicher Anstieg gegenüber dem vergangenen Jahr, als es nur einer war. Verschiedene Lösungsansätze von Arbeitsagentur, Volkshochschule und HAZ.

Hattingen..  686 Jugendliche verließen im Vorjahr allgemeinbildende Schulen in Hattingen – darunter vier Mädchen und fünf Jungen, die keinerlei Abschluss in der Tasche hatten. Hinzu kamen sieben junge Leute mit einem Abschluss im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen. Die 16 Schulabgänger machen einen Anteil von 2,3 Prozent aus – und gegenüber dem Jahr 2013 eine beträchtliche Steigerung.

Schulausschuss-Vorsitzende Dorothea Kiesewetter verweist auf das Landesprogramm, nach dem jedes Kind mitgenommen werden soll. Sie weiß aus eigener Arbeitserfahrung in Essen-Steele, dass auch an der Hauptschule kaum ein Jugendlicher ohne Abschluss abgeht. In kleinen Systemen könnten Schüler ganz anders angesprochen werden. Allerdings werde es in Klassen mit 26 Kindern, „alle mit sehr speziellem Förderbedarf“, schon wieder schwierig, die individuelle Förderung umzusetzen.

2013 war unter 847 Schulabgängern in Hattingen nur eine Jugendliche ohne Abschluss. Dazu kamen zehn Abschlüsse mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen, was eine Quote von 1,3 Prozent bedeutete.

Schon mit Hauptschulabschluss werde eine Vermittlung oft sehr schwierig, sagt Ulrich Brauer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit. Wichtig sei, sich nachträglich zu qualifizieren.

Früher ansetzen, schneller reagieren und mehr Geld in die Bildung stecken für mehr Personal, mehr Sozialpädagogen, mehr Schulsozialarbeiter: Dafür plädiert Berit H’Loch, die bei der Volkshochschule für nachträgliche Schulabschlüsse zuständig ist.

Lehrer hätten oft nicht mehr genug Zeit, sich um jeden Schüler ausreichend zu kümmern. Außerdem wünscht sich die VHS-Fachfrau einen anderen pädagogischen Ansatz, der bei den Stärken einhakt und darauf aufbaut. Sie führt ein Beispiel ihrer Tante an, eine pensionierte Lehrerin, die sich um Kinder in Reha und Kuren kümmerte. Einem Jungen wollte partout keine Stärke einfallen. Bis er sich zu sagen traute: „Ich kann gut laufen.“ Dass die Lehrerin das toll fand, legte bei dem Kind den Schalter um. „Er war wie ausgewechselt, strahlte übers ganze Gesicht“, sagt Berit H’Loch. Solche Pädagogik sollte ihrer Ansicht nach zum Grundprinzip werden.

Manfred Gosker, Geschäftsführer des HAZ (Hattingen – Arbeit und Zukunft), das Jugendliche durch verschiedene Programme fördert, hofft darauf, dass Jugendliche und Arbeitgeber zusammenfinden. Aufgrund des demografischen Wandels werde jeder junge Mensch gebraucht, wenn in Firmen Mitarbeiter in Rente gehen.