Neue Erste-Hilfe-Ausbildung ab April

Foto: Archiv, Kirsch
Was wir bereits wissen
Mehr Praxis, weniger Theorie: Führerscheinanwärter müssen 45 Minuten mehr investieren. Betriebe müssen Ersthelfer nur noch für einen Tag freistellen.

Hattingen..  Mehr praktisches Training, weniger Theorie: Zum 1. April wird die Erste-Hilfe-Ausbildung geändert. Für Führerschein-Bewerber wird der Kursus eine Unterrichtseinheit, also 45 Minuten, länger. Für Ersthelfer in Betrieben verkürzt sich die Ausbildung von zwei Tagen auf einen Tag.

Das hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) so beschlossen, weil sich – so heißt es in einer Erklärung – im Bereich der Reanimation beispielsweise in den letzten Jahren deutliche Vereinfachungen ergeben hätten. „Außerdem haben Erfahrungen bei Unfällen gezeigt, dass mehr Handlungssicherheit vermittelt werden muss“, so Christian Schuh, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Witten e.V., auch zuständig für Hattingen. „Durch eine Fokussierung auf grundsätzliche Handlungsstrategien und einfachere Erste-Hilfe-Maßnahmen ist von einer erhöhten Akzeptanz der Bevölkerung zur Leistung von Erster Hilfe auszugehen“, so der DVR. Heißt: „Manche haben Angst, dass sie bei der Herzmassage etwas kaputt machen. Das kann natürlich sein, aber hilft man nicht, stirbt das Opfer auf jeden Fall“, erklärt Schuh.

Beatmung, Herzmassage: Das alles soll nun länger an einer Puppe geübt werden – dafür bleibt eine theoretische Erörterung des Blutkreislaufs aus. „Hierbei berücksichtigen wir auch, dass in Deutschland in der Regel spätestens nach 15 Minuten professionelle Hilfe eintritt“, so DRK-Bundesarzt Prof. Dr. Peter Sefrin. „Früher begann man mit der Theorie. Die wird jetzt eher beim Üben vermittelt“, erklärt Schuh den veränderten Ansatz. Zur Vertiefung der Theorie gibt’s Aufbaukurse.

Auf die verbesserten Lehrgangsformate seien die Ausbilder vorbereitet, sagt DRK-Witten-Ausbildungsleiter Thorsten Knopp. Auch beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Kreisverband Witten, zuständig auch für Hattingen, begrüßt Ausbildungsleiter Mirko Klemm die Neuerung.

Insgesamt neun Stunden lernen Führerscheinanwärter demnächst lebensrettende Maßnahmen kennen. Arbeitnehmer müssen für die Erste-Hilfe-Ausbildung ihre Mitarbeiter nur noch einen Tag freistellen. „Es ist für uns leichter, einen Dozenten für nur einen Tag zu finden. Und die Arbeitgeber müssen nicht so lange auf die Mitarbeiter verzichten“, meint Klemm.

Schuh erwartet zudem, dass so „die Hemmschwelle für die Arbeitgeber, möglichst viele Mitarbeiter schulen zu lassen, geringer ist“. Als dynamischer, spannender empfindet er die neue Ausbildung und hofft, dass dadurch „sich mehr Menschen zu einer Auffrischung entschließen.“ Die ist nach wie vor nicht verpflichtend. Was er bedauert. „Ich finde regelmäßige Wiederholungen sinnvoll, weil man sicherer helfen kann. Es geht ja um die Sicherheit aller.“