Nachtwächter mit Zeitgefühl

Der Nachtwächter der Stadt Hattingen Uli Manske.
Der Nachtwächter der Stadt Hattingen Uli Manske.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Wie sich die Zeiten ändern, was die Zeit bringt und wie schnell für ihn persönlich die Sommer- wie die Winterzeit vergeht: Darüber berichtet Nachtwächter Uli Manske am Tag vor der Zeitumstellung.

Hattingen..  Eine Uhr trägt Uli Manske nicht. Auch nicht bei seinen einstündigen Führungen als Nachtwächter. Denn Zeit hat er im Gefühl. So wie früher die Nachtwächter auch.

„Sie haben jede volle Stunde angesagt. Wann die um war, wussten sie ungefähr durch die Runden, die sie liefen“, weiß Manske. So wie er bei seinen Führungen: „Gehen die Teilnehmer schneller, weiß ich, ich kann einen Punkt mehr schaffen.“ Einen Vorteil genießt er gegenüber seinen historischen Kollegen: „Zur Not kann ich auf dem Handy nach der Uhrzeit sehen.“ Da mussten die Nachtwächter damals auf die Uhr am Kirchturm zurückgreifen. Der übrigens teilte den Hattingern mittels der Glocken mit, wann es Zeit war, wieder in die Stadt zu kommen: Um 21 Uhr schlossen die fünf Stadttore. „Daher kommt der Begriff Torschlusspanik“, so Manske verschmitzt. Gern erzählt er Anekdoten von damals, wahre und solche, wie sie gewesen sein könnten. Humor ist sein Ding. Zu jeder Zeit. Mit Hinweis auf sein Alter – 52 Jahre – sagt er: „Früher wurden die Menschen nur so um die 50.“ Da hatte man eine ganz andere Lebenszeit. Die nutzten die Menschen aber gut: „Sie spielten im 14./15. Jahrhundert im Gottesdienst Karten und soffen.“ Von Tunnelblick keine Spur. Eher historisches Multitasking. Jedenfalls: Wer nicht zeitig in die Stadt kam, dem blieb dieser Weg: „Am Holschentor, da ging was. Wenn man sich mit dem Nachtwächter gut stellte, ihm was zusteckte.“

Die Zeit, sie hat es gut gemeint mit den Nachtwächtern: Erst nämlich waren sie „Unehrbare“. „Kein Wunder, sie hatten nicht viel Geld, mussten oft noch tags arbeiten und waren nachts unterwegs. Und haben sich gern mal einen genommen.“ So viel Zeit musste sein. Und konnte darüber auch schon mal vergessen werden – weshalb es dann einen Erlass gab, dass Nachtwächter in der Adventszeit keine Geschenke annehmen durften. „An jeder Tür gab’s da ein Schnäpschen. Ich habe den Passus in meiner Urkunde übrigens streichen lassen“, erwähnt Manske grinsend. Wurde auch Zeit . . .

Nachtwächter als Dorfpolizisten

Erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts, hat Manske recherchiert, waren Nachtwächter angesehen, wurden per Kaisererlass in den Bürger-Stand erhoben. Und arbeiteten sich mit der Zeit hoch: „Die letzten beiden Nachtwächter sind im 18. Jahrhundert verbeamtet worden, waren quasi Dorfpolizisten.“

Sie warnten Bürger vor Gesindel und Feuer. Über 30 Jahre suchte einst Gesindel die Stadt heim, referiert der Geschichtsinteressierte. Auf Lebensmittel waren sie aus. Dann gründeten die Bewohner eine Bürgerwehr – und die „Zellen waren auf einmal voll“.

Im Lichtenbruch in Bredenscheid ist Manske groß geworden. Die Zeit musste er da nicht damit verplempern, sich über die sozialen Medien zu verabreden: Es gab einen festen Treffpunkt, da ging man hin, die anderen kamen auch. Seine persönliche Meinung zur Zeit? „Die Zeit rast“, sagt er – und mit Blick auf den Fotografen: „Es ist schon zehn Jahre her, dass Sie die alte Aufnahme gemacht haben, die ich noch nutze.“ Na, da wurde es auch mal Zeit für ein neues Bild: siehe unten.