Nach dem Fasten: Schonend in den Alltag

Ökotrophologin Beate Weidner
Ökotrophologin Beate Weidner
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Ökotrophologin Beate Weidner erklärt zum Ende der Fastenzeit, wie man den Körper wieder an eine normale Ernährung gewöhnt. Kleine Sünden sind auch nach der Fastenzeit erlaubt.

Hattingen..  Eine „Operation ohne Messer“: Von den Vorteilen des Fastens erzählen zahlreiche Studien, aber auch persönliche Geschichten. Und die erlebt Ökotrophologin Beate Weidner, die auf der Naturheilkundlichen Station der Klinik Blankenstein arbeitet, regelmäßig. Jetzt endet die Fastenzeit und Weidner weiß: Nicht das Fasten allein ist eine Herausforderung für den Körper, sondern auch die Rückkehr zur Aufnahme fester Nahrung.

„Fasten als gänzlicher Verzicht auf feste Nahrung ist ein stärkendes, ausleitendes Verfahren. Dabei wird dem Körper die Möglichkeit gegeben, Säuren, die sich durch die Verdauung im Gewebe festsetzen, ausscheiden zu können“, erklärt Beate Weidner. Vor allem bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma und sehr hohen Entzündungswerten im Körper sei Fasten eine gute Therapie. Doch die Übersäuerung des Körpers sei definitiv auch ein Problem von gesunden Menschen und eine Nebenerscheinung der heutigen Überflussgesellschaft. „Wir essen einfach zu viel. Zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel Eiweiß, zu viel Fleisch.“

Deshalb sei es gerade jetzt zum Ende der Fastenzeit und mit Ostern vor der Tür wichtig, nicht sofort mit fettem Essen zu beginnen, sondern „abzufasten“. Nach dem Fasten seien die Verdauungssäfte noch nicht in dem Maße wieder vorhanden, um sehr fett- und zuckerhaltige Lebensmittel zu verarbeiten, die oft Bestandteil des Ostermenüs sind.

Während der Aufbautage, die nach einem totalen Essensverzicht in jedem Fall notwendig sind, regen leichte Salate und Suppen die Darmfunktion langsam an. Die Wochen nach dem Heilfasten sollte man sogenannte „reduzierte Vollwertnahrung“ zu sich nehmen. Also Vollkornprodukte, viel Gemüse und Obst. Auch beim Verzicht auf nur einige Lebensmittel sei es wichtig, sich nicht sofort mit Kuchen und Braten den Bauch vollzuschlagen.

Übrigens: Auch längere Zeit nach der Phase des Verzichts sollte man nicht direkt wieder in schlechte Gewohnheiten verfallen, rät die Ökotrophologin. Das Fasten sollte als „Einstieg in den Umstieg“ gesehen werden: „Man sollte versuchen möglichst viel von dem, was man über seinen Körper und Ernährung gelernt hat, auch in den Alltag zu übernehmen.“ Was auf keinen Fall heißen soll, dass nicht auch mal genascht werden dürfte. „Wenn man mal etwas Ungesundes isst, heißt es gleich, man habe gesündigt. Das darf man auf keinen Fall so sehen. Wir genießen – und das ist, wie das Fasten, ein Teil des Lebens.“

Da der totale Verzicht auf Essen für viele Menschen mit körperlichen oder seelischen Krankheiten nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, gebe es auch viele Alternativen zum Heilfasten. „Das kann beispielsweise sein, dass man zwei Mal die Woche auf das Abendessen verzichtet. Oder einen Entlastungstag in der Woche einlegt, an dem man nur Rohkost zu sich nimmt.“ Weidner empfiehlt, sich in jedem Fall im Vorfeld von seinem Hausarzt untersuchen und beraten zu lassen.

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