Musikschul-Angebot für behinderte Menschen

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Was wir bereits wissen
Neue Gruppe im Tom-Mutters-Haus an der Schulstraße ist offen auch für Menschen aus Wohngruppen oder für musikliebende Männer und Frauen, die noch bei ihren Eltern wohnen.

Hattingen..  Werner Tholl spricht wenig. „Spielst Du ein Instrument“, fragt er schon mal seine Umgebung. Besser als mit Worten drückt er sich mit Musik aus. Und die liegt derzeit in der Luft im Tom-Mutters-Haus an der Schulstraße. Die Musikschule als kommunale Einrichtung will sich der Welt behinderter Menschen mehr zuwenden. „Auch sie hören und machen gern Musik“, sagt Peter Brand, Leiter der Musikschule. Männer und Frauen, die draußen keine Angebote wahrnehmen können, bekommen ein Musikangebot ins Haus.

„Es braucht Zeit, bis es sich herumspricht“, wissen auch Susanne Balke-Rupenus, Leiterin im Tom-Mutters-Haus, und Geschäftsführer Uwe Tillmann. Das offene Angebot läuft mittwochs um 18.15 Uhr und dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Noch ist die Gruppe klein, besteht aus zwei bis vier Interessenten. Gedacht ist sie nicht nur für Bewohner im Haus, sondern auch für solche aus Außenwohngruppen und für behinderte Männer und Frauen, die bei ihren Eltern leben.

„Wenn sie nicht zu uns kommen können, kommen wir zu ihnen“, sagt Peter Brand, der sich mit diesem Bildungsangebot „über den Tellerrand bewegen“ möchte. Neben der Gruppe mit Roswitha Weyandt gibt es auch Einzelunterricht im Haus an der Schulstraße. Die Musiklehrerin hat für das Gruppenangebot, in das Interessenten auch unverbindlich reinschnuppern können, eine Fortbildung gemacht.

Alle Beteiligten hoffen, dass das Angebot, das viele Möglichkeiten zum Experimentieren biete, Anklang findet. Zielorientiert wie in anderen Musikgruppen werde nicht gearbeitet, so Brand. Ziel ist hier, Begeisterung fürs Musikhören und -machen zu wecken, Beteiligung, Dabeisein zu schaffen. Aber auch vorhandene Talente zu fördern. Ob Altstadtfest oder andere Gelegenheiten: Musik verbindet all diejenigen, die sie mögen. Behindert oder nicht. Und Menschen mit Behinderung sollen so weit wie möglich eingebunden werden – über die Musik.

Die Gruppe läuft seit März und ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt. Es ist schon vorgekommen, dass Teilnehmer das Treffen früher verlassen haben, weil sie zum Essen wollten. 21 Männer und Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 70 wohnen im Haus an der Schulstraße. Mit unterschiedlichem Musikgeschmack. Manche stehen auf Helene Fischer, andere auf Heino und jüngere Mitarbeiter und Praktikanten im Tom-Mutters-Haus bringen auch neue Töne in die Einrichtung.

Fast alle Bewohner sind weg zur Arbeit, während die Beteiligten das neue Programm vorstellen. Doch Marlies Elgert und Karin Safrata lassen sich sofort kleine Musikinstrumente in die Hand drücken und legen begeistert los auf dem Balkon. Werner Tholl spielt Akkordeon. Wie gut er Musik macht, entdeckte sein Heim eher zufällig, als er sich in einem Urlaub ans Klavier setzte – und spielen konnte.