Museum gestaltet Angebote um

Schaugießen
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Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Industriemuseum Henrichshütte halbiert seine 30 Führungen und Programme. Ein halbes Jahr Erprobungsphase für neue Museumspädagogik.

Hattingen..  Das Team des LWL-Industrie­museums Henrichshütte hat sein museumspädagogisches Angebot entrümpelt und neu aufgestellt. „Wir haben uns gefragt: Für wen machen wir das alles? Wie kommen wir am besten an die Bildungsträger heran?“ Klares Ergebnis: Der Umfang der bisher rund 30 Führungen und Programme wurde halbiert – für Grundschulen gibt es statt sieben sogar nur noch zwei Programme. Dafür sei das neue Angebot konkreter, so Laube. „Jedes Programm wurde von nur einer Person geschrieben, nicht mehr gemeinsam. Wir haben jetzt ein halbes Jahr Erprobungsphase, in dem wir um Nachsicht bitten, wenn nicht alles funktioniert. Aber diese Zeit ist für die Professionalisierung wichtig.“ In dieser Zeit werden die Angebote deshalb für die Teilnehmer auch kostenfrei sein.

Birgit Schulz hebt zum Beispiel das naturwissenschaftliche Programm „Ferrum – vom Erz zum Eisen“ hervor, das sich an die Klassen 5 bis 7 richtet. Es sei an Lehrpläne angepasst, auf Schulen abgestimmt. Und es wird mit echten Bruchproben der Henrichshütte präsentiert.

Oder das geschichtlich-soziale Angebot „Feuer über der Ruhr“, das sich an die Klassen 7 bis 10 richtet. „Das ist uns eine Herzens-Angelegenheit, denn es stellt die Industrialisierung und den Strukturwandel im Ruhrgebiet zusammen“, sagt Birgit Schulz. „Nicht als trockene Führung, sondern mit Arbeitsblättern, Präsentation und Diskussion.“

Für die Erwachsenen gibt es „Kolleginnen & Kollegen", das die bisherige Frauen-Führung ersetzt. Wer dieses Programm nicht extra buchen möchte, kann an jedem fünften Sonntag im Monat (15 Uhr) daran teilhaben.

„Entdecken und erinnern“ richtet sich unterdessen an Menschen im hohen Alter und/oder mit eingeschränkter Mobilität. Höhepunkt sei die Fahrt im gläsernen Aufzug auf die in 35 Meter Höhe gelegene Aussichtsplattform des Hochofens.

„Zudem bieten wir jetzt täglich um 11.30 Uhr eine offene Führung an“, ergänzt Museumsleiter Robert Laube. Hintergrund ist die Überprüfung des Q-Siegels im Museum: „150 Mal haben wir ein Sehr gut bekommen, aber auch acht Verbesserungsvorschläge – unter anderem die Führungen täglich anzubieten“, berichtet er. „Und weil wir die restlichen Punkte auch noch zum Sehr gut machen wollen, haben wir damit jetzt angefangen.“

LWL will „Hattingen in Flammen“ setzen

93 000 Besucher, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr – Robert Laube, Leiter des Industriemuseums Henrichshütte, ist mit dem Ergebnis für 2014 zufrieden. Lediglich die Resonanz auf die Ausstellung „Stahl und Moral“ war eine Enttäuschung.

„Ich hätte mir mehr Schulklassen gewünscht“, sagt Laube. Gleichzeitig kündigt er an, dass es auf jeden Fall ein Buch geben wird, denn „es sind ein paar spektakuläre Dinge, Erinnerungen und Vorträge zusammengetragen worden“. Das Jahr habe das Industrie­museum inhaltlich weitergebracht, betont er.

Den Besucherzuwachs führt er aber insbesondere auf Einzel-Veranstaltungen zurück. Mehrere bleiben auch in diesem Jahr erhalten: Das Klavierfestival kommt wieder zur Extraschicht und in die Gebläsehalle, das Harley-Treffen wird wiederholt, das Fest der Autoparty sowieso. Und in der zweiten Jahreshälfte gibt es den Plan, „Hattingen in Flammen“ zu setzen. Details möchte der Museumschef aber noch nicht verraten.

Konkreter sind die Ausstellungen, die im Jahr 2015 laufen: „Eine machen wir selbst, eine über­nehmen wir“, sagt Robert Laube. Vom 22. Mai sind Aufnahmen des toskanischen Fotografen Pino Bertelli zu sehen – aus Piombino, einer Stadt, die er wegen des dortigen Hüttenwerks und der Probleme drumherum als „Hattingen in der Toskana“ bezeichnet. Ab dem 30. Oktober folgt ein „Historischer Streifzug durch das chemische Labor“, der vom Carl-Bosch-Museum Heidelberg entwickelt wurde. ­Laube: „Da wird ein trockenes Thema attraktiv präsentiert.“