Motten umschwärmten Schüler

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Was wir bereits wissen
200 Quadratmeter Tretford-Ziegenhaar-Teppich in der Realschule Grünstraße wurden gegen Linoleum ausgetauscht. Geplant war zunächst Kugelgarnbelag.

Hattingen..  Rudolf Viefhaus hat in seinem Büro selbst einen Tretford-Ziegenhaar-Teppich liegen. Doch eine Situation wie in der Realschule Grünstraße hat der Leiter der Gebäudewirtschaft der Stadt noch nicht erlebt: Etwa 50 Motten schwirrten durch den Informatikraum, ausgestattet mit dem gleichen Bodenbelag. „Das war den Schülern wirklich nicht zuzumuten“, erklärt Viefhaus. Klar sei gewesen, das die Kinder „nicht mit Fliegenklatsche im Unterricht sitzen können“. Inzwischen liegt dort pflegeleichtes Laminat.

Doch auch wenn der Bodenbelag inzwischen ausgewechselt wurde und die Motten schon vor den Osterferien ihrer Fresslust frönten, ist das Thema an sich noch nicht erledigt. „Der Rechnungsprüfungsausschuss nimmt von der durchgeführten Prüfung der Vergabe zur Durchführung von Bodenbelagsarbeiten nach Mottenbefall an der Realschule Grünstraße Kenntnis“, heißt es im Beschlussvorschlag für die Sitzung am 16. Juni.

Auf der Tagesordnung steht das Thema jedoch nicht wegen des Ungeziefers. Dieses ist nach Auskunft der Kreisverwaltung in Schwelm nicht gesundheitsgefährdend, sondern nur lästig. Zum Tagesordnungspunkt wurden die Motten, weil zunächst der Auftrag für die Verlegung eines anderen Bodenbelags – aus Kugelgarn – erteilt worden war. Aus akustischen Gründen werden laut Fachbereich 68 Räume mit bestimmten Nutzungen mit Teppich ausgestattet.

Während eines Kurzurlaubs des Bauleiters, der sich für das günstigste von drei Garnangeboten entschieden hatte, riet der Schädlingsbekämpfer bei einem Termin mit Viefhaus dringend von der erneuten Verlegung von Teppichboden ab. Der Leiter der Gebäudewirtschaft war zunächst von einem „schlechten Witz“ ausgegangen. Als er die Situation in Augenschein nahm, war er „total erstaunt“ angesichts der „sehr deutlichen Anzahl von Motten“. Da der Kammerjäger schon mehrfach aktiv gewesen sei, sei die Stadt dessen Empfehlung gefolgt, einen glatten Belag zu verlegen. Der sei leichter zu pflegen und ein Teppich in einem viel genutzten Schulraum nach 20 Jahren auch ramponiert. Neben dem Informatik- waren ein Mehrzweck- und ein Elternsprechraum am stärksten betroffen, insgesamt 200 Quadratmeter.

Schulleiter Jürgen Ernst bestätigt, dass die Stadt „sehr schnell reagiert“ hat. Der Boden liege auch im Schulleiterzimmer und im Sekretariat, doch gebe es dort keine Probleme. Viefhaus kann nicht ausschließen, dass auch noch woanders Ziegenhaar in städtischen Räumen liegt, plant jedoch nicht, vorsorglich Beläge auszutauschen.