Mitten im Mädchenmeer

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
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Was wir bereits wissen
Klitschnass, aber glücklich sind die Fans nach dem Cro-Konzert beim Zeltfestival.

Kemnader See..  Die Schlange aus nackten Beinen zieht sich vorbei an Ständen mit Keramik-Schüsseln, Perlenketten und Strohhüten, lässt den Marktbesuchern kaum Platz. Und dort, wo sie eigentlich enden sollte, beginnt eine zweite Schlange in die andere Richtung: Von beiden Seiten drängen sich die – wegen der Hitze leicht bekleideten – Fans zum großen Zelt, um den Rapper Cro zu sehen.

In diesem Sommer ist der Musiker mit der Panda-Maske von jetzt auf gleich mit den Liedern „Easy“ und „Du“ durchgestartet. „Als wir die Karten für sein Konzert auf dem Zeltfestival gekauft haben, war er noch nicht so populär“, sagt der Hattinger Dietrich Dinges (28), „jetzt sind die ganzen kleinen Mädchen hier.“ Es stimmt, das Publikum besteht fast ausschließlich aus jungen, weiblichen Fans, vereinzelt befinden sich mitten im Mädchenmeer auch Mamas und Papas, die mit ihren Söhnen dort sind. Der Rap von Cro ist eben nicht so hart oder brutal, wie man es von anderen Rappern kennt. „Es ist fröhlicher Hip-Hop“, findet Dietrich Dinges. Auch Jessica Kowolik (24) sieht das so: „Die Musik macht gute Laune und man kann auch ein bisschen dazu tanzen, was bei anderem Rap nicht immer geht.“

Hände vors Trommelfell

Tanzen, ja – jubeln und kreischen sowieso. Als Cro auf die Bühne tritt, halten sich einige schützend die Hände vors Trommelfell, so hoch ist die Stimmlage der schreienden Mädchen. Und auch Cro sagt: „Wow, ihr seid übertrieben geil, mir tun jetzt schon die Ohren weh.“ Überflüssig sind da eigentlich seine Fragen: „Sind denn heut Abend Mädels da? Wo sind die Ladys?“

Als er dann zu rappen beginnt, wird gesprungen und getanzt, vergessen sind bei den Liedern die stickige Luft im Zelt, die Schweißtropfen auf Stirn und Nacken und dass jeder Atemzug zum Wettkampf um den letzten frischen Sauerstoff im großen blauem Zelt wird. Einige halten es jedoch nicht lange aus und bahnen sich einen Weg aus dem Gedränge hinaus, suchen sich einen Sitzplatz. Es gibt die Möglichkeiten: stehen in der kochend-heißen Mitte oder festkleben am Plastikstuhl.

Wasser zur Abkühlung

Ein paar Glückliche schaffen es sogar auf die Bühne, dürfen sich dort kurz vor den Ventilator stellen. Cro: „Aber nicht, dass ihr krank werdet und eure Mütter dann meine Mama anrufen.“ Da schmeißt Cro lieber noch mehr Wasserflaschen zur Abkühlung in die Menge – und auch ein verschwitztes Handtuch.

Ja, Cro kommt auch ganz schön ins Schwitzen. „Die Scheinwerfer sind so heiß“, sagt Cro, der auch noch in langer, enger Hose auftritt. Da haben es die Mädchen im luftigen T-Shirt und Bikini-Oberteil besser, obwohl auch sie nach dem Konzert klitschnass sind. Aber so gehört es sich nun mal für echte Fans. Auch Jessica Kowolik hat es gefallen. „Cro singt live wirklich gut.“

Leider hat er trotz Hitze seine Pandabär-Maske nicht abgenommen, wie sein Gesicht aussieht, bleibt weiterhin ein Geheimnis. „Aber ich stelle mir vor, dass er gut aussieht“, sagt Jessica Kowolik und lacht. Die Welperanerin kann verstehen, dass Cro unerkannt bleiben möchte. „So kann er sich jetzt nach dem Konzert auf dem Zeltfestival noch eine Bratwurst essen.“