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Mit Köpfchen und Feingefühl

20.05.2009 | 17:23 Uhr

Frank Waab ist Direktor des Amtsgerichts, wo er sich mit Starenkästen und dem Erbrecht auseinandersetzt

Schon als Schüler hörte er sich mit einem guten Freund Verhandlungen an. Die Begeisterung für das feine Abwägen zwischen Recht und Unrecht hat sich bei Frank Waab bis heute gehalten. Der 47-Jährige ist seit Anfang April Direktor des Amtsgerichts. „Und es macht Spaß“, sagt er. Sein Lachen spricht Bände.

„Ich hatte gehört, dass das Arbeitsklima hier sehr angenehm sein soll“, sagt der Gelsenkirchener. Das sei ein Grund mehr für ihn gewesen, die Bewerbung für Hattingen abzugeben. Die Stelle war seit Sommer 2008 nur kommissarisch besetzt.

Waab ist Behördenchef, Ansprechpartner für seine Mitarbeiter und Verwaltungsmensch. Ihm sei auch der Kontakt zur Praxis wichtig. Das vergleichsweise kleine Gericht bietet ihm dazu die beste Gelegenheit. Der frühere Familienrichter bearbeitet neben seinen Chefaufgaben auch Bußgeld- und Nachlasssachen.

Autofahrer verhandeln

Die meiste Arbeit bereite ihm die automatische Verkehrsüberwachungsanlage am Kreuz Wuppertal-Nord an der Autobahn 46. Die Starenkästen stehen auf Sprockhöveler Stadtgebiet und damit im Zuständigkeitsbereich des Hattinger Amtsgerichts. „Wir haben weit über 1000 Einsprüche im Jahr.“ Jeder Widerspruch landet auf Waabs Schreibtisch. „Es gibt viele Autofahrer, die über ein drohendes Fahrverbot verhandeln wollen.“

Das zweite juristische Schlachtfeld: „Ich habe mit vielen spannenden Erbstreitigkeiten zu tun“, sagt Waab. „Es gibt Verstorbene, die ihre Testamente auf kleinen, kaum lesbaren Zetteln verfasst haben. Wir müssen dann entscheiden, ob das als Testament zugelassen wird.“

In anderen Fällen seien Angehörige aus dem Ausland beteiligt. Der deutsche Richter verhandelt dann über nationale Grenzen hinaus, berücksichtigt andere Rechtssysteme. „Da ist Köpfchen gefragt.“ Man habe die Möglichkeit, in viele unterschiedliche Bereiche hineinzuschauen.

Der frühere stellvertretende Leiter der Justizakademie macht auch Ausbildungen für andere Richter. Dann gehe es zum Beispiel um geschickte und sensible Verhandlungsführung. „Man muss immer den Menschen hinter den Leuten sehen.“

Sein Privatleben verbringt der 47-Jährige gern mit der Familie. Mit den zwölf und neun Jahre alten Kindern fährt er im Urlaub an die See. Im Privatleben versuche er, ganz Vater zu sein. Der Nachwuchs habe auch noch keinen juristischen Beistand bei ihm gesucht. „Dafür sind unsere Kinder wahrscheinlich noch zu jung.“

Wie geht's beruflich weiter? Vorgängerin Petra Voelsen kletterte auf der Karriereleiter zwei Stufen nach oben, leitet jetzt am Oberlandesgericht in Hamm den Familiensenat. Waab hat andere Ambitionen: „Ich möchte noch viele Jahre in Hattingen bleiben. Ich fühle mich sehr wohl hier.“

Arne Poll



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