Mit dem Rollstuhl auf dem Hattinger Hochofen

Florian (15)
Florian (15)
Foto: Fischer
Im Industriemuseum Henrichshütte sammeln sechs Kinder mit körperlicher Einschränkung in dieser Woche neue Eindrücke und erleben die Natur.

Hattingen..  In einem kleinen Container haben es sich sechs Kinder zusammen mit ihren Betreuern gemütlich gemacht. Während draußen der Wind kräftiger wird, wird drinnen „Mensch ärger Dich nicht“ und einige Kartenspiele gespielt. Die sechs Kinder haben bereits einen großen Spaziergang auf dem Gelände der ehemaligen Henrichs­hütte hinter sich und warten auf das Mittagessen.

Zuvor erzählen sie aber, was sie in den vergangenen Tagen beim Museum zum Selbermachen erlebt haben. „Ich war gestern zum ersten Mal auf dem Hochofen der Henrichshütte“, sagt Florian, der von dort eine gute Aussicht über die Nachbarstädte hatte. Für den 16-Jährigen keine Selbstverständlichkeit, denn er sitzt im Rollstuhl. Seit er denken kann, wie er sagt.

Das Schicksal einer Behinderung teilt er mit den fünf weiteren Kindern, die an dem Projekt teilnehmen. Täglich treffen sie sich seit Montag für einige Stunden und beschäftigen sich vor allem mit dem Hüttengelände und der Natur.

Auch das Museum lernt dazu

So haben die Kinder etwa aus Ton Tiere geformt und ihnen mit Schaschlikspießen Beine oder Stacheln gegeben. „Das ist mein Tausendfüßler. Der hat 140 Beine, das war eine ganz schöne Arbeit“, sagt zum Beispiel Murat (7) und präsentiert seine Arbeit des Vortags.

Das Museum zum Selbermachen ist eine Kooperation der Lebenshilfen Ennepe Ruhr/ Hagen und Witten mit dem Nabu Ennepe-Ruhr-Kreis sowie dem Industriemuseum. Gemeinsam mit mehreren Museumspädagogen erkunden die Kinder die Natur in ihrer Umgebung. Auf dem Plan steht unter anderem Malen mit Pflanzenfarben, Basteln mit getrockneten Wildblüten, Experimentieren mit einem Stempel oder auch das Sammeln kurioser Gegenstände auf dem Hüttengelände.

Birgit Schulz begleitet das Projekt von Seiten des Industriemuseums. Auch sie berichtet von den Erfahrungen mit dem Projekt und zieht bereits Schlüsse für ihre Arbeit: „Wir sammeln hier auch als Museum viele Eindrücke und können sehen, ob Rollstuhlfahrer gut in unserem Museum klarkommen.“

Die sechs Teilnehmer der Museumswoche jedenfalls scheinen bestens klarzukommen und berichten einhellig von einem schönen Programm. „Die Tage hier haben mir richtig gut gefallen“, sagt Florian. Museumspädagogin Barbara Emde bestätigt: „Hier ist immer viel Spaß und Aufregung mit dabei.“

Bereits gespannt sind die Kinder auch auf das Programm am Donnerstag. Dann führt es die Gruppe nach Bochum, zum Picknick im Tierpark. Barbara Emde hat bereits das Motto ausgelobt: „Unser erstes Gebot: Wir haben Spaß.“