Mit allen Sinnen trauern

Foto: Walter Fischer
Was wir bereits wissen
Vom Reichtum der Unterschiedlichkeit: Der Verein für Trauerarbeit Hattingen macht Inklusion zum Thema einer Fachtagung – für alle Interessierten.

Hattingen..  Trauern Menschen mit einer Behinderung anders? Nein, sagt Diakonin Annette Wagner. „Sie äußern ihre Trauer nur anders.“ Wagner, die das Kindertrauerzentrum traurig-mutig-stark des Hattinger Vereins für Trauerarbeit in Witten leitet, haben ihre jahrelangen Erfahrungen mit Gruppen trauernder Heranwachsender mit und ohne Behinderung ermutigt, die Inklusion in der Trauerarbeit zum Thema einer Fachtagung zu machen: „Mit allen Sinnen trauern . . . Vom Reichtum der Unterschiedlichkeit“. Statt findet diese am Freitag, 13. März, im Forschungs- und Entwicklungszentrum, Alfred-Herrhausen-Straße 44, in Witten (10-15.30 Uhr). Eingeladen sind nicht nur in Trauerarbeit Involvierte, sondern auch Trauernde und an dem Thema Interessierte.

Trauer, ob bei Jung oder Alt, bei Menschen mit oder ohne Handicap tritt in vielfältiger Form auf. Als Annette Wagner vor zwei Jahren die Mutter eines gehörlosen Mädchens, das den Vater verloren hatte, fragte, ob der Besuch der Tochter für die Gruppe ein Problem sei, da ahnte die Diakonin zwar: Diese damals für alle neue Situation sei eine Herausforderung. Aber auch eine Bereicherung. Jeder, so Wagner, musste plötzlich viel mehr darauf achten, wie er seiner Trauer nicht nur mit Worten, sondern auch per Mimik und Gestik Ausdruck verleiht.

Trauernden, die ihren Schmerz über den Verlust eines nahe stehenden Menschen womöglich zu kontrollieren, vor anderen zu verbergen versuchen, spürten in inklusiven Gruppen mitunter plötzlich, dass ihnen enge Grenzen gesteckt seien, sagt Annette Wagner. Wenn sie dann miterlebten, wie etwa ein Kind mit Down-Syndrom ihr spontan um den Hals falle „und hemmungslos weint, dann kann das ein Schlüssel sein“. Um auch selbst offener, „ehrlicher“, mit der eigenen Trauer umzugehen.

Der Reichtum der Unterschiedlichkeit beim Trauern soll auch bei der von Annette Wagner geplanten Fachtagung beleuchtet werden. Zu Gast sein wird etwa Rainer Schmidt, Pfarrer, Dozent, Kabarettist und mehrfacher Paralympics-Goldmedaillengewinner im Tischtennis. Schmidt, dem von Geburt an beide Unterarme fehlen, spricht zum Thema „Zum Glück ist jeder anders“. Im Anschluss werden Kornelia Weber und Elisabeth Hensel, Bildungsreferentinnen der Deutschen Kinderhospizakademie, von „Herausforderungen in Trauersituationen bei Kindern mit geistiger Behinderung“ berichten.

„Wir freuen uns auf spannende und bereichernde Auseinandersetzungen, betont Annedore Methfessel, Geschäftsführerin des Vereins für Trauerarbeit. Drei Kooperationspartner sind mit im Boot: die Diakonie Mark-Ruhr, das Franz Sales Haus und die evangelische Stiftung Volmarstein.