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Mindestlohn

Mindestlohn ist nicht zu bezahlen

30.10.2013 | 06:00 Uhr
Mindestlohn ist nicht zu bezahlen
Foto: Svenja Hanusch

Hattingen.   Die SPD ringt um einen flächendeckenden Mindestlohn. Viele Hattinger Einzelhändler könnten den nicht aufbringen. Schuld sind hohe Sozialausgaben.

Die SPD hat den einheitlichen und flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro zur Bedingung für eine Koalition mit der Union gemacht. Die einen finden das gerecht, die anderen sehen als einzigen Gewinner den Staat, der die Sozialabgaben kassiert. Auch bei den Hattinger Einzelhändlern sind die Meinungen gespalten.

Anja Carow (46), Inhaberin vom Schlemmereck findet, „Von 6 Euro Brutto kann keiner eine Familie ernähren. Viele große Unternehmen betreiben Ausbeutung“. Dass selbst 8,50 Euro noch zu wenig seien, findet auch Ulrike Pink (60) von Gardinen Krieger. Carow befürchtet, dass kleinere Betriebe durch höhere Personalkosten in Schwierigkeiten geraten könnten: „Eine Vollzeitkraft auf Steuerkarte kann ich mir gar nicht leisten. Da kommen ja dann die ganzen Sozialabgaben dazu. Und wenn mir die Vollzeitkraft ausfällt – was dann? Deshalb stehe ich so gut wie jeden Tag selbst hier.“

Jörg Dorau (49) betreibt ein Tabak- und Lotto-Geschäft. Auch er ist gegen Dumping-Löhne. „Gegen solche schwarzen Schafe muss man rigoros vorgehen. Damit die Leute auch das Geld bekommen, was sie verdienen.“ Aber er meint, „dass jeder nur das zahlen sollte, was er auch wirtschaftlich vertreten kann“. Ein flächendeckender Mindestlohn ist für ihn deshalb keine Lösung. Sein Vorschlag: ein branchenbedingter und gewinnabhängiger Mindestlohn. Das wäre auch für Claudia Schindler (55) von Blickfang Deko eine praktikable Lösung. Dorau weiß, dass viele Arbeitnehmer wegen der hohen Sozialabgaben lieber auf Minijob-Basis arbeiten.

Strikt gegen den Mindestlohn ist ein Imbissbesitzer, der namentlich nicht genannt werden will: „Die Leute wollen das doch gar nicht“, ist er überzeugt. „Bei 160 Arbeitsstunden sind das nicht mal 1400 Euro Brutto. Der, der das kriegt, kriegt vom Amt nichts mehr – aber leben kann er davon auch nicht.“ Besonders die hohen Sozialausgaben seien für ihn als Arbeitgeber eine Belastung: „Die sollten nicht gucken, dass sie den Mindestlohn erhöhen, sondern die Sozialabgaben senken.“

Wie es mit Mindestlohn funktioniert, zeigt das Friseurhandwerk. Dort ist der Mindestlohn von 8,50 Euro seit April tariflich festgelegt. „Netto macht sich das aber nicht bemerkbar“, erklärt Friseurmeisterin Annette Jelonek (28). Eine Familie könne man damit nicht ernähren. Auch sie kennt die Problematik hoher Sozialabgaben. „Manche Chefs wollen vielleicht mehr bezahlen, können es aber deshalb nicht.“ Ein anderer Job kommt für sie trotzdem nicht in Frage: „Mir macht mein Beruf Spaß.“

Helene Seidenstücker


Kommentare
03.11.2013
21:01
Mindestlohn ist nicht zu bezahlen
von fistfighter | #2

Firmen , die den Mindestlohn nicht zahlen können ober vielmehr wollen, haben auf dem Markt nichts mehr zu suchen. Soll doch der Steuerzahler meine Angestellten bezahlen...man sollte euch zum Teufel jagen.

"Strikt gegen den Mindestlohn ist ein Imbissbesitzer, der namentlich nicht genannt werden will: „Die Leute wollen das doch gar nicht“, ist er überzeugt. „Bei 160 Arbeitsstunden sind das nicht mal 1400 Euro Brutto. Der, der das kriegt, kriegt vom Amt nichts mehr – aber leben kann er davon auch nicht.“

Stimmt, aber auf den Steuerzahler kommen geringere Kosten zu und die Menschen zahlen in die Sozialkassen ein !! Was glauben Sie eigentlich, wie unser Sozialsystem funktioniert. Das Problem ist doch, das Sie die Sozialabgaben lieber auf den Steuerzahler übertragen Sie Schmutzfink Sie !!

03.11.2013
19:28
Der Pommesbudenchef trifft den Nagel auf den Kopf
von meigustu | #1

warum soll er denn anständigen Lohn bezahlen wenn das doch die Kommune genauso tun könnte. Wie stellt sich denn dieser Fachmann die Finanzierung auf Dauer vor ? Höhere Gewerbesteuer ?

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