Messerstecher kommt mit Therapie statt Strafe davon

Nun hat er es auch ohne Waffe selbst in der Hand. Ein Messerstecher aus Hattingen kam mit einer verhältnismäßig milden Strafe davon und bekommt eine Chance, seine Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen und endlich straffrei zu bleiben. Der 29-Jährige hatte im Juli 2012 in zwei Fällen ein Klappmesser gezückt und damit auf offener Straße insgesamt vier Personen attackiert. Während bei der ersten Eskalation in der St.-Josef-Straße die Schutz- und Ausweichbewegungen der drei Betroffenen noch zu einem glimpflichen Ausgang geführt hatten, verletzte er einen 34-jährigen Mann zwei Tage später durch einen drei Zentimeter tiefen Stich in den Oberarm. In allen Fällen hatte der Aushilfskoch eine bogenartige Ausholbewegung ausgeführt.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe uneingeschränkt ein, ließ jedoch über seinen Verteidiger mitteilen, dass er bei beiden Taten unter Drogeneinfluss gestanden habe. „Das Ganze tut ihm leid. Er hat mir versichert, dass er das ohne Drogen niemals gemacht hätte“, zitierte der Rechtsbeistand seinen Mandanten, der wegen seiner Nervosität nicht selbst aussagen wollte. „Die Betroffenen waren alles Bekannte aus der Hattinger Drogenszene, wobei sicherlich wechselseitige Provokationen stattgefunden haben“, gab der Anwalt zu bedenken.

Die betroffenen Zeugen bestätigten das zwar nicht, doch spielten sie die Ereignisse als Lappalie herunter: „Es sah schlimmer aus, als es war“, kommentierte das Stichopfer seine Verletzung. Bereits vor 2012 war der 29-jährige Täter mehrfach wegen Körperverletzung angeklagt und verurteilt worden. Auch dabei war bereits ein Klappmesser zum Einsatz gekommen.

Dass seit der Jugend harte Drogen wie Kokain und Heroin im Spiel gewesen seien, war jedoch nie ein Thema. „Er wollte das nicht sagen, hat sich vor seiner Familie geschämt“, erklärte der Verteidiger. Mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten blieb das Gericht deutlich unter dem Höchststrafmaß von zehn Jahren.

Da der Verurteilte schon seit längerem hinter Gittern sitzt und mit Methadon behandelt wird, sei bereits nach wenigen Monaten eine stationäre Drogentherapie in Münster möglich. Die wolle er nach eigenen Angaben unbedingt in Angriff nehmen, machte sein Verteidiger abschließend deutlich.