Mehrbelastung für Gastronomen

Gastronomen bemängeln den bürokratischen Aufwand, der mit dem Mindestlohngesetz
Gastronomen bemängeln den bürokratischen Aufwand, der mit dem Mindestlohngesetz
Foto: WAZ FotoPool
Durch das Mindestlohngesetz ist die Dokumentation der Arbeitszeiten verpflichtend. Das wird als erheblicher bürokratischer Aufwand kritisiert.

Hattingen..  Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von einem „Bürokratie-Monster“ – seit dem Beginn des Jahres besteht, fest verankert im Mindestlohngesetz, eine Pflicht zur Dokumentation der genauen Arbeitszeit, die auch Hattinger Gastronomen an den Rand ihrer Belastbarkeit führt. Negativ bewertet wird dabei vor allem der personelle Aufwand, der für die Büroarbeit notwendig ist. „Um die ganze Schreibarbeit überhaupt bewältigen zu können, müssten wir eigentlich eine zusätzliche Kraft einstellen“, erläutert Sabrina Grum, Angestellte bei der Gaststätte Landhaus Grum.

Das Mindestlohngesetz an sich, das eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro für alle Beschäftigten festlegt, wird jedoch nicht kritisiert. Ganz im Gegenteil: Einige Hattinger Gastronomen, darunter auch das Landhaus Grum, haben diese Summe schon vor dem Gesetz bezahlt. Lediglich die Dokumentation von Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit war für viele eine Umstellung. „Das ist ein wahnsinniger Aufwand, der in keinem vernünftigen Verhältnis steht“, kritisiert Detlef Müller, Inhaber der Burg Blankenstein, das Konzept. Zwei Sekretärinnen sind bei ihm mit der Büroarbeit beschäftigt. Anders ist die Lage jedoch im Restaurant Henrichs, wo es bereits vor dem Gesetz eine schriftliche Dokumentation der Arbeitszeit gegeben hat. „Das war bei uns notwendig, da wir ohne eine Zeituhr arbeiten“, erklärt Birgit Bittner, stellvertretende Betriebsleiterin.

Die minutengenaue Aufzeichnung sowie die Überwachung der Arbeitszeiten inklusive Pausen bedeute für Gastronomen einen erheblichen Mehraufwand im stressigen Arbeitsalltag, so die Dehoga. Der Verband fordert daher, dass die Verdienstgrenze für die Dokumentationspflicht von derzeit 2958 Euro um 1000 Euro gesenkt wird und Aushilfen außen vor bleiben. Die Mehrbelastung könne der Branche nicht zugemutet werden. „Alle reden vom Bürokratieabbau. In der Praxis passiert genau das Gegenteil“, sagt Olaf Offers, NRW-Präsident der Dehoga.

Dass es sich durchaus um eine Mehrbelastung handelt, betont Sabrina Grum. Sie verweist darauf, dass die Dokumentation der Arbeitszeit zu den weiteren alltäglichen Büroarbeiten hinzukomme. Die Bearbeitung der Unterlagen erfolgt von den meisten Bürokräften dabei meist unentgeltlich.

Die Dehoga fordert deshalb auch, dass Gastronomen nur dann in die Pflicht genommen werden sollten, wenn es einen konkreten Verdacht auf einen Gesetzesverstoß gibt. „Derzeit wird die Mehrheit der ehrlichen Unternehmer in Generalhaftung genommen“, so Olaf Offers.

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